Einen Gang… runter

 

 

Die Idee: mit dem Frühzug nach Flensburg, über die Grenze nach
Dänemark, ein dänisches Waffeleis/Glace essen und… dann nach Hause laufen.
Ein Gang runter in den Süden. Zwei bis drei Monate wird die Wanderung schon gehen. Deutschland von oben nach unten. North to South. Längs durch die Republik. Von 1 m Normalnull auf 420 m NN. Einfach so, nicht perfekt organisiert, nicht optimiert und fast ohne Plan.Wenn es gesundheitlich nicht funktioniert sitze ich in den nächsten Zug und fahre heim. Aber probieren will ich es schon!
Ohne dir die Schuhe schmutzig zu machen, kannst du gerne mitgehen, in diesem Blog.
Eine Reise zu Fuss bedeutet: Zeit zu haben.
Meine durchschnittliche Geschwindigkeit beträgt 4,3 km/h.

…ich schalt dann mal einen Gang runter und gehe
schöne Grüsse Berthold

Dänische Eiscreme


Dänisches Eis ist das weltbeste Eis/Glace!!!!

Deshalb fuhr ich mit dem Zug nach Dänemark um ein Eis zu essen (Bild). Anschliessend mache ich mich auf den Weg nach Hause. Das dauert natürlich etwas. Bis bald.

Erste Etappen

Am Anfang läuft noch der Kopf und nicht die Beine.

  • Hast du an alles gedacht?
  • Was hast du vergessen?
  • Ist der Rucksack doch zu schwer!
  • Funktioniert das Navi?
  • Schaffst du es?
  • Macht die Gesundheit mit?

Aber nach fünf Etappen überwiegt bereits die Zuversicht, denn bis jetzt funktioniert alles optimal.

Das Wetter könnte für diese Jahreszeit nicht besser sein. Luft zwischen 15° und 20 Grad. Täglich zwischen 11 und 14 Sonnenstunden(Norden halt). Die Strecke ist sehr abwechslungsreich Wald, viel Meeresküste und eine flache aber offene Landschaft. Die Höhendifferenz schwanken zwischen 1m NN und 30m über NN. Also alles perfekt und verkraftbar. Vermutlich bin ich etwas zu schnell unterwegs mit 140km in 6 Tagen also im Schnitt 23,333km pro Etappe. Aber auch das pendelt sich noch ein.

Los gings in Dänemark mit einem Eis in Krusa DK…über Flensburg, Schleswig, Eckernförde, Kiel. Da bin ich nun. Mache einen Ruhetag und schau mir grosse Schiffe an, esse viel zu viele Matjesbrötchen und trinke Bier.

So kann es weitergehen!

 

 

 

Rücken und Rucksack

Mein Rücken und der Rucksack sind noch keine dicken Freunde. Da ist noch Harmoniebedarf!Die blöde Rückenmuskulatur könnte ruhig etwas schneller wachsen!
Aber aufrechter Gang geht schon…und der Wanderstock ist eine gute Hilfe.
In ein paar Wochen sind  die beiden sicher gute Freunde und brauchen einander.

Rucksack mit Tagesvesper und Wasser 12kg.

Frau S. aus K.

Gleich zu Beginn meiner Reise probierte ich alle Übernachtungsvarianten aus. Hotel, Zelt, Jugendherberge, Pension…alles klappte. Bis ich in K. war (ich lasse das anonym).
Ankunft in K., Ende einer Etappe, schwere Füsse, Durschd, kein Bock mehr! Zu allem Übel hat die Dorfkneipe Ruhetag und der Dorfwirt per Handy nicht erreichbar. Da stehe ich nun mit meinem Rucksack vor dem „goldenen Krug“ in K. Ich schaute mir schon die Parkbänke an ob sie bequem aussehen.Kommen zwei kleine ältere Damen daher spaziert und sprechen mich an: „Können wir Ihnen etwas helfen junger Mann“. (Junger Mann hat mich schon seit Ewigkeiten niemand mehr genannt). Ich schilderte den 80jährigen Damen mein Übernachtungsproblem. Kurze Bedenkzeit, dann meinte Frau S.:“ Kommen Sie mal mit junger Mann, ich habe ein Fremdenzimmer zu vermieten und das ist gerade frei“

Fünf Häuser weiter erhielt ich ein Gästezimmer und die Lebensgeschichte von Frau S.
Hier fünf Sätze von Frau S.:

Wissen Sie junger Mann: mein Mann war bei der Marine, und liegt schon 18 Jahre in der Ostsee!
Wissen Sie junger Mann: ich lasse mich auch von einem Bestattungsboot in die Ostsee verklappen!
Wissen Sie junger Mann: heute sind viele Gäste Esotheriker, die essen nur Gurke!
Wissen Sie junger Mann: ich bin jetzt 78 Jahre und habe vor drei Jahre zu tanzen angefangen. Line-Dance!
Wissen Sie junger Mann: zu meinem 75sten wollten die mir eine Fahrt in die Umgebung schenken. Ich sagte nee, ich will mal nach Australien. Und dann bin ich ganz alleine hingeflogen. War nett dort, muss aber nicht mehr sein!

Nach einer ruhigen Nacht im Gästezimmer unter einer gefühlten Fünf-Kilo-Bettdecke gab es Frühstück mit selbstgemachter Marmelade. Die Übernachtung kostete 25 EUR!

Solche Kontakte wünsche ich mir auf meinem Tour. Das schon am fünften Tag so eine herzliche Begegnung möglich war, macht den Rucksack leichter.

 

Zaubersocken

Zwischen meinen Füssen und der Strasse gibt es nur: Schuhsohle, Zaubersocken und Hornhaut.Sonst nix!
Handgestrickte Zaubersocken kann ich fünf Tage anziehen…und es riecht nur schwach. Selbstgestrickte Zaubersocken sind angenehm bei Kälte und Wärme und werden immer weicher. Das perfekte Outdoor-Equipment!
Wie es der Zufall will, lese ich gerade einen historischen Schmöker über die frühen Fischer in der Nordsee. Traditionell schenkte dort die Braut dem Bräutigam zur Hochzeit Socken, gestrickt aus ihrem eigenen Haar. Die Socken benutzte der Fischer sein Leben lang.
Eine hübsche Geschichte.
Diese grünen Zaubersocken hat Andrea gestrickt, ich glaube es ist Schaf.

 

Kiel hat Charme

 

Die Kieler sagen: lieber Wasser unterm Kiel, als Kiel unter Wasser!
Kiel ist die Hafenstadt in Schleswig Holstein.
Der Bahnhof liegt direkt am Hafen und die grossen Fährschiffe nach Skandinavien sind höher als der Hauptbahnhof. Grosse, alte Segelschiffe liegen am Kai direkt neben dem Schiffahrtsmuseum 250m vom Bahnhof. Wichtiger als Weihnachten und Ostern ist für die Kieler Bevölkerung: die Kieler Woche grösste Seglerveranstaltung der Welt.

Es fehlen die grossen Schlösser und die prunkvollen Fassaden, dafür stinkt es nach Hafen, Diesel und Teer. Möven verscheissen die ganze Stadt.
Ich mag Kiel. In den 70er Jahren absolvierte ich einen Teil meiner Ausbildung an der dortigen Fotoschule. Heute nennt sich diese bundesweite Ausbildungsstätte: Foto- und Medienforum Kiel. Alle Fotokaufleute waren in Kiel und wurden dort mit Aquavit geimpft.

Navigation

Wie einfach wird es dem Autofahrer gemacht. Zehn Meter breite Hinweisschilder über der Autobahn, Hinweise und Ortschilder an jedem Eck. Selbst ohne Navi findet jeder Audi-Fahrer sein Ziel.

Einen Fussweg zu finden… benötigt mehr Grips. In der Natur geht es ja noch, aber in einer fremden Stadt wird es schwierig bis sehr schwierig. Hinweise für Fussgänger in den Städten gibt es kaum.
Navigationsgeräte mit topografischen Karten gehören heute beim Wandern zur Standartausrüstung. Ich benutze ein Garmin Wandernavi und mehrere Apps auf meinem Handy. In der Kombination miteinander funktioniert es, vorausgesetzt die Teile haben Strom und das GPS Signal ist ausreichend ,was nicht immer so ist.
Auf meinem Gang in den Süden orientiere ich mich am Via Jutlandica ein gut ausgeschilderter Jakobsweg durch Jütland und Schleswig-Holstein, danach geht es in den E1 bzw. E6 über. Diese zwei europäische Fernwanderwege sind durchgehend über Europa ausgeschildert. Der E 1 geht von Oslo nach Rom. Der E6 verläuft von Dänemark nach Venedig. Diese Wanderwege sind mit einem weissen Kreuz gekennzeichnet. Mehr oder weniger.
Autofahren ist einfacher.

Ein Abstecher zu „Brauni“

In den 70er Jahren lebte Bernd in Jestetten, war im engen Freundeskreis und es gab kein Fest ohne uns. Etwas aus den Augen verloren, fand ich „Brauni“ durch Google in Bad Segeberg nur 30km von Lübeck entfernt. Also machte ich einen kleinen Abstecher mit der Bahn nach Bad Segeberg, nach vorheriger Anmeldung.
Er freute sich riesig. Allerdings hat Bernd seit 15 Jahren „Parkinson“ geht sehr offen mit seiner Krankheit um, ist  Vorsitzender einer Parkinson Organisation und hat aus seiner Erkrankung einen Full-Time-Job gemacht. Schöne Grüsse an alle die „Brauni“ kennen.
Nach diesem Abstecher fuhr ich wieder zurück nach Lübeck und setzte dort meine Wanderung fort.

 

büschen bekloppt

Schleswig-Holstein ist flaches Land. Dialekt, Leute und Gegend wie in Büttenwarder (Fernsehserie ARD). Die Landschaft flach wie eine Flunder und die Leute sehr sparsam mit Wörtern.
Da ging ich also meinen Gang und trank an einer Tankstelle einen Kaffee. Mein Rucksack neben mir auf der Bank. Da kommt so ein „Büttenwarder“ und setzt sich neben mich. Minutenlang fixierte er den 45 Liter Rucksack. Dann endlich meinte er:“ Weit her“?  Um es im Gleich zu tun antwortete ich ebenfalls sehr karg mit: “ Ja“. Woher meinte er, da sagte ich: „Schweizer Grenze“.
Er stand auf und formulierte einen ganzen Satz:“ büschen bekloppt muss man schon sein“.

 

 

Die ersten 200 Km

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Nun bin ich schon 220 km gelaufen. Die Strecke führte mich von Krusau/Flensburg über Schleswig, Eckernförde, Kiel, Plön, Lübeck bis nach Lauenburg an der Elbe. Im Schnitt waren es täglich 7 bis 10 Höhenmeter. Flachland halt! Dafür sehr viel Wasser zuerst Ostseeeküste dann Binnengewässer, Kanäle, Flüsse und Seen. Dass der Norden so wasserreich ist, habe ich mir nicht vorgestellt. Es macht das Wandern nicht einfacher. Ohne Brücken und Fähren kommst du nicht weiter. Umwege über mehrere km sind vorprogrammiert.
Im Zelt zu schlafen ist mir zu kalt ( +2°C  in der Nacht). So trage ich halt ein Zelt mit, gehe aber in Pensionen oder Gästehäuser das Angebot ist gross. Ich hoffe es wird irgendwann mal wärmer und kann Campingplätze nutzen. Das Wandern geht immer besser, eine Etappe von 37 km habe ich gut verkraftet, im Schnitt sind es aber nur 25 km. Kein Muskelkater, keine Blasen, der Rücken hat sich mit dem Rucksack angefreundet… es macht Spass.
Das Wetter ist für Mai recht kalt. Sonne, Regen, Schneegraupel, Wind und Sturm…die ersten drei Wochen boten das volle Repertoire!
Aber…in jeder Dorfbäckerei gibt es phantastische Zimtschnecken! Ich glaube Zimt wärmt.

Ritter, Blues und Meindl

Der Himmel über Lüneburg strahlte bereits frühmorgens in nordischem Grau. Vom B&B bis zur Wanderstrecke zeigte das GPS  acht Kilometer (1 ½ Stunden) durch die Stadt. Also erst mal über Kopfsteinpflaster stolpern und dann Stadtauswärts entlang der vierspurigen Bundesstrasse.

Es lärmte und stank. Ein Motorradfahrer raste so nahe an mir vorbei…ich hätte am liebsten meinen Stock zwischen seine Speichen gerammt. Aber ich war zu langsam.
Als Nächstes hauchte mir eine LKW eine Dieselwolke ins Gesicht. Super!
Dann ein militanter Radfahrer. Er riss fast meinen Rucksack mit. Als Speerwerfer könnte ich in von hinten mit dem Wanderstock vom Rad holen. Aber ich bin kein Speerwerfer.
Wie ein Schaaf mitten in einer Bisonherde fühlte ich mich. Zumindest so ähnlich.
Dann fängt es auch noch an an zu regnen. Rucksack ab, Regenhose an. Nach 1 ½ Stunden endlich am Elbe Seitenkanal angekommen, dem Start der heutigen Wegstrecke, war meine Laune auf dem Tiefpunkt. Nicht mein bester Tag heute…jetzt frischte auch noch der Wind auf, was hier Wind ist, läuft im Süden unter Sturm. Fruscht pur! Was tun?

Mein persönliches Frustabbau-Rezept heisst: RITTER, BLUES und MEINDL.
Im Klartext heisst dies: Schokolade futtern, Musik in voller Dröhnung und Sturmschritt. In diesem Fall, nutzte ich das volle Paket!
Also eine Reihe Schokolade (vier Rippen) zwischen die Zähne, Ohrstöpsel rein (Player auf Level 17) und loslaufen. Stressabbau mit Musik geht am besten mit BAP oder BluesBrothers. Heute war es BAP.
Fünf Musikstücke später (20 Minuten) waren meine Mordgedanken weg. Durch das Gehen reduzierte sich meine Frustration weiter auf ein Minimum. Das funktioniert übrigens immer. Nach dem zehnten Musiktitel (Kristalnaach) pfiff ich schon mit und aus dem Wanderstock, der vorher noch meine Waffe war, wurde eine Luftgitarre. Alles OK. Es regnete in Strömen aber das nordische Grau war anders…freundlicher.
Ritter, Blues und Meindl wirken magisch! Siebenundzwanzig Kilometer später dachte ich nicht mehr an Lüneburg. Warum auch.

Eine Nacht im Damenstift Kloster Medingen

„Übernachtung im Frauenkloster“ klingt ja sehr spannend… ist aber unspektakulär. Nach 27 km Wegstrecke raffte ich mich noch auf, um ein Kloster zu besichtigen. Grosse Anlage, alte Mauern, 12.Jhd., sehr ehrwürdig und kaum bewohnt.
Leicht verschmutzt, mit Rucksack und Dreckschuhen kommt man immer ins Gespräch. Auch mit Klosterfrauen. Also erzählte ich meine Story und fragte wo eine Übernachtungsmöglichkeit zu finden sei. Die spontane Antwort: kein Problem, wir haben Gästezimmer.
So fand ich mich 10 Minuten später in einem blitzsauberen Zimmer mit 20 cm Schlüssel, Inventar aus den Sechzigern und über allem ein leichter Maiglöckchen-Weihrauch-Mottenduft. Um 18:30 Uhr gemeinsames Abendessen mit Kräutertee. Alles Perfekt!
Ich habe in teuren Hotels schon sehr viel schlechter übernachtet und auch wesentlich schlechter gegessen.
Da mein Gang eine Wanderung und keine Pilgerfahrt ist, war ich beim Spenden-Opferstock dann etwas grosszügiger.

Dänisch, Platt, Schriftdeutsch

Der nordöstliche Teil von Schleswig-Holstein, die Gegend zwischen Flensburg und Schleswig ist teilweise zweisprachig. Für mehr als 100 000 Personen aus dieser Ecke ist Dänisch die Muttersprache. Sie sind Deutsche aber eine dänisch sprechende Minderheit. Auf dem Land häufiger als in der Stadt. Es gibt dänischsprachige Schulen, Zeitungen und Bücher. Südlich der Stadt Schleswig ändern sich die Ortsnamen. Aus den dänisch geprägten Ortsnamen Gammelby, Schaalby , Haadeby werden Orte mit den Endungen …hörn, -diek oder -holm. Das Plattdeutsche verdrängt die dänische Spracheminderheit.
Ab jetzt heisst es überall als Gruss: Moin, moin! Und das am Morgen, am Mittag und am Abend!
Hundert Kilometer südlich von Lüneburg ist leider auch dass, durch die Nase gesprochene, Platt zu Ende. Es fehlt!
Ab jetzt sprechen die Leute keinen Dialekt mehr! Sie artikulieren sich in persilreinem Schriftdeutsch. Langweilig. Keine eigenen Wörter. Die Eltern lesen den Kindern als Gute-Nacht-Geschichte vermutlich den Duden vor. Dafür erhöht sich die Wortfrequenz. So schnell wie die Leute Sprechen,kann ich gar nicht Hören.

400 km …on the Road

 

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Nun sind es bereits 400 km. Der Rucksack drückt nicht mehr. Die Füsse laufen von alleine. Alles gut.
Von der Elbe (Lauenburg) bis nach Gifhorn ging es einige Tage  am Elbe Seitenkanal entlang. Gütertransport! Kohle nach Berlin. Container nach Leibzig. Öl nach Polen. Die Schiffe überholen mich, aber an der nächsten Schleuse treffen wir uns wieder.
Durch die Industriegebiete Braunschweig, Salzgitter, Wolfsburg schlich ich mich mitten durch (grosse Städte sind Wanderfeindlich) um, wenn alles gut läuft, in 4-6 Tagen am Harz sein.

10 LKW weniger auf der Autobahn

 

 

 

 

 

 

 

 

typisch Deutsch

Auf meinem Weg durch die Republik frage ich mich: was-wer-wo ist typisch Deutsch. Hier im Dreieck Wolfsburg, Magdeburg und Harz kommt es den Klischees schon sehr nahe.
Der Gehsteig wird nicht gefegt sondern gesaugt, jedes Gänseblümchen eleminiert, alles ist Sagrotansauber und aufgeräumt.
Der Wald heisst Forst: gesprochen aber mit einem zusätzlichen a… F-o-a-r-s-t !
Unterricht in Fussball, Bier und Bratwurst vermutlich ab der Grundschule. Papa fährt Audi, Mama fährt Golf. Was fehlt ist das Sauerkraut auf der Speisekarte. Warum auch immer.
Ist das alles typisch Deutsch? Auf jeden Fall ist es interessant für den Spaziergänger,der durch die Dörfer und Vorstädte geht, wandert und beobachtet.

an alle Leser

Ich muss da ein  paar Fragen beantworten:

Kann ich diese Blogadresse weitergeben?    Na klar! Dieser Blog ist öffentlich. Es fehlt allerdings die Indizierung bei Suchmaschinen. Google, Bing und Co. finden die Website nicht. Wenn ihr allerdings eingebt: www.dreckschuhe.eu  mit www  dann findet auch Google den Blog. Noch besser: ihr gebt die Adresse einfach in die Befehlszeile ein, dann seit Ihr wuuusch im Blog!

Kann man dich unterwegs erreichen?  Na klar! Eine Rückmeldung, über die Beiträge geht schnell und einfach über die Kommentar Funktion. Ich freue mich über Reaktionen.
Möchte mir jemand etwas persönliches erzählen, geht das per Mail. Dann ist es nicht öffentlich. Die Mailadresse  mail@dreckschuhe.eu  erreicht mich auch unterwegs.

Wie ist das mit dem Gastwandern?  Na klar!  Gerne wir machen einen Termin aus. Näheres dazu findest du auf der Seite Infos für Gastwanderer .

habe gewählt

 

Ich habe in einer Eisdiele gewählt:

  • zuerst einen Eisbecher
  • dann Europa
  • dann Kreistag
  • dann Gemeinderat

Meine persönliche Wahlkabine für die Briefwahl bastelte ich mit einer Eiskarte. Dahinter fand die Wahl statt: frei und geheim!

Die Wahl des Eisbechers verrate ich: Vanilleeis mit Waldfrüchten und Mandelsplitter… das Andere nicht.
Nur etwas gebe ich offen zu…gäbe es eine europäische Staatsbürgerschaft… ich hätte sie bereits beantragt.
Meine Skepsis war gross, ob die Briefwahl-Aktion klappt.
Online-Antrag zur Briefwahl – Wahlunterlagen an die Wohnadresse zugestellt – von dort Versand der Briefwahl an eine Adresse auf meiner Route. Und…! Es hat perfekt geklappt!
Hoffentlich packt die Post den Rückversand auch noch!

Mit dem Eisbecher war ich zufrieden…mit dem Ausgang der Wahlen…da schau mer mal!

 

Fachwerk, Kopfstein und Schieferdach

 

Hammerstädte…gibt es hier!
Wenig Bauhaus-Schachteln, mehr krumme Wände als rechte Winkel! Zumindest in den Innenstädten.Am Stadtrand ist die Funktions-Architektur sehr verbreitet. Oh jeh…und wie!

Goslar…

Fachwerk pur. In diesen Gassen dreht man ohne Vorbereitung Mittelalterfilme. Hinter jeder Ecke könnte Siegfried und Krimhild stehen. Alles wie vor 500 Jahren…nur die Handys der Leute sind neu. Märchenhaft.

Wernigerode…

Der beste Denkmalschutz ist: fehlendes Geld. Die alte Substanz wurde nach der Wende durch Mittel der EU aufwändig restauriert. Sehenswert.

Bad Harzburg…

Keine Fachwerk…aber eine Bäderarchitektur aus dem 19.Jhd. Stattliche Hotels, Trink-und Wandelhalle, Kurpark. Treffpunkt der Schicken und Schönen.Nix zerstört in den Kriegen.
Statt Kutschen rattern heute die Rollatoren mit Rentnern aus Halle, Magdeburg und Leibzig auf dem Kopfsteinpflaster. Kaffeetrinken mit abgespreiztem kleinem Finge. Im Hintergrund läuft die CD : die Wiener Philharmoniker spielen ABBA. Ich gehe in so ein Oma-Café; bestelle ein Kännchen Kaffee und dazu :Apfeltorte mit Sahne. Wunderbar.

 

Im Nationalpark Harz

In der BRD gibt es 16 Nationalparke. Einer davon ist der Harz mit einer Fläche von 24.000 Hektar. Auf dieser Fläche wird alles sich selbst überlassen.
Der Stihl-Kettensäge-Besitzer beisst sich auf die Kettenzähne. Alles liegt kreuz und quer, der Wald ist nicht aufgeräumt: Chaos. NICHTS wird gemacht. Alles darf…selbst der Waldschreck: Borkenkäfer. Die Wege werden gesichert aber sonst passiert nix. So stelle ich mir den Wald vor 1000 Jahren vor. Urwald! Mystisch! Schön!
Nur 2 Grad an diesem Tag. Nebel stieg aus den riesigen Moorflächen. Es blubberte in den kleinen Tümpeln und ich war alleine unterwegs. Nein,nein ich hatte keine Angst…aber mein Tempo war wesentlich schneller als sonst und bei jedem Geräusch drehte ich mich um…ob da nicht doch ein Säbelzahntiger….?Wie im Science Fiction Film. Nach diesen 15 km bin ich total überzeugt, dass es im Harz: Hexen, Geister und Gnome gibt. Ehrlich!

Auf dem Brocken

Hoch ist er mit 1.141 m ü.M. nicht. Aber nach 200 km Flachland, die erste Erhebung. Der höchste Berg Norddeutschlands. Man muss sich vorstellen…die Wolken schlendern so ungebremst über das flache Land und zack, stossen sie an diesen Berg. 300 Nebeltage im Jahr! 10 Grad Durchschnittstemperatur im Juli! 178 Tage im Jahr bedeckt mit Schnee! Das Wetter ändert sich stündlich! Windgeschwindigkeite von 263 m/h wurden gemessen! Als Freizeitberg taugt so ein Brocken nicht. Zu DDR Zeiten diente der Gipfel als Lausch-und Hörstation für den Osten. Antennen, Satelittenschüsseln und sonstige Hörgeräte installiert. Ein grosser Teil war militärisches Sperrgebiet.

Und auf diesen Brocken (früher Blocksberg) wollte ich hoch. Zu Fuss. Von Harzburg über den Teufelsstieg auf den Gipfel. Es war scheusslich kalt und mühsam, den meine Beinmuskeln waren noch auf Flachland eingestellt. Dann sind 1000 Höhenmeter anstrengend. Der Abstieg wesentlich einfacher über den „Goetheweg“. Der Geheimrat war nämlich auch schon mal oben, aber ich glaube, das ist schon ein paar Tage her. Und Antennen gab es damals auch noch nicht. Nur Hexen.

Die ersten Wandergäste

Am letzten Wochenende erwartete ich meine ersten Wandergäste. Oli und Edi fuhren von Berlin (4 Std. Zugfahrt) an den Südharz. Die Wetterprognose war gut. Unser Plan: zelten an der Odertalsperre. Opa, Sohn und Enkel! Ein reines Männerwochenende mit Zelt, Lagerfeuer, Bratwurst und Bier. Ohne Zähneputzen!
Die Strecke von 2,5 km war für den vierjährigen Enkel eine „grosse Tour“. Schliesslich begleitete er seinen Opa auf seiner Wanderung… zumindest ein Stück weit. Zeltaufbauen, Holz sammeln für das Lagerfeuer, Feuer machen  alles spannende Arbeiten für einen Vierjährigen.
Dass ich bisher hauptsächlich in Pensionen übernachtete (es war einfach zu kalt) verschwieg ich, denn er wollte ja Abenteuer und er erhielt es. Natürlich durfte Edi so lange aufbleiben wie er wollte, schliesslich war das ja ein Männerwochenende. Oli und ich tranken noch ein paar gemütliche Biere und am Sonntag war das Abenteuer schon wieder vorbei. Edi fuhr mit seinem Papa wieder zurück nach Berlin.
Ich glaube er schlief im Zug ein.

Dies waren die ersten Wandergäste…bin mal gespannt, wer sich so alles aufraffen kann.

Die ehemalige innerdeutsche Grenze

Es ist bedrückend. Da wurde ein Wald, ein See oder ein Dorf einfach auseinandergeschnitten.
Ein Grenzzaun errichtet.
Wenn du auf die andere Seite willst…wirst du erschossen. In den knapp vierzig Jahren der DDR Grenze passierte dies ca. 800 mal.

Heute spaziere ich einfach rüber….ohne Stacheldraht, Minen und Risiko.
Gut, dass diese Grenze Vergangenheit ist.
Leider sterben die Idioten nicht aus, die wieder Grenzzäune irgendwo in der Welt errichten wollen.

Ein Bratwurst-Paradies

Die Region Südharz/Thüringen ist eine vegane Hölle!
Den Bratwürste sind immer präsent. Bratwurststände an jeder Strassenecke, in den Fussgängerzonen, vor jedem Discounter,am Waldparkplatz. Es gibt mehr Fleischer als Bäcker. Der „Fleischer“ hat am Sonntag geöffnet. Die Bäckerei ist geschlossen.
Vor so einer Fleischerei (gefühlte 20 m Wursttheke) stand ein „Bratwurst-Automat“! Ein Münzautomat bei dem der hungrige Bratwurstsüchtige aus dem gekühlten Automaten fünf eingeschweisste rohe Bratwürste rauslassen konnte. Geld rein…Würste raus! Bratwurst  24/7/365 verfügbar!

600 km sind hinter mir

 

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Den 6oo.km durchlief ich irgendwo auf dem Kyffhäuser. Es war ein sehr schönes Waldstück.
Wie bereits beim 400 km Beitrag erzählt, schlich ich mich zwischen den Industriegebieten Braunschweig und Wolfsburg durch und landete in Bad Harzburg, nördliches Tor zum Harz. Viele Harzrouten laufen von West nach Ost. Meine Route läuft allerdings von Nord nach Süd. Also, von Bad Harzburg über den Brocken nach Torfhaus /Wieda /Bad Sachsa. Von dort mit einer herrlichen Waldwanderung nach Nordhausen. Anschliessend vorbei am Stausee nach Kelbra und jetzt über den Kyffhäuser nach Bad Frankenhausen. Ruhetag! Wäsche waschen, Schlafen, weitere Route planen. Etwas Sightseeing.
Als nächstes werde ich nun Thüringen durchqueren und halte mich etwas westlich um bei Eisenach auf den  berühmten Rennsteig aufzusetzen. Auf diesem Premium Wanderweg geht es dann 150 km in den Thüringer Wald,an die Grenze zu Bayern.

Kyffhäuser

Nein, nein, nein der Kyffhäuser hat nichts mit Kiffen zu tun!

Der Kyffhäuser ist ein kleines Mittelgebirge südlich des Harzes. Es ist sogar das kleinste Mittelgebirge der BRD.
Sehr viele und grosse Höhlen sorgen dort für Legenden und Geschichten. In der Barbarossahöhle schläft seit knapp 1.000 Jahren Friederich I. (Kaiser Barbarossa). Der ist ja nicht gestorben, angeblich pennt der nur dort!
Das Höhlensystem der Barbarossa-Höhle ist riesig. Einzelne Kammern sind 60m lang und 30m hoch. Besichtigung hat mir sehr gut gefallen.
Ein furchtbares, schwülstiges Denkmal gibt es am Kyffhäuser von Kaiser Wilhelm I.(Hohenzollern). Was der Preusse am Kyffhäuser gemacht hat, konnte mir niemand erklären.
Vermutlich hat der alte Säbelrassler doch gekifft.

Problemlöser in Thüringen

Wäre die Welt ein Gebäude, der Thüringer wäre sicher der Hausmeister!
Leichter Befehlston, aber immer eine Kombizange in der Hosentasche und eine Lösung parat!
Mein aktuelles Problem: Wäsche waschen.
In grösseren Städten nutze ich Wasch-Salons und dachte Bad Frankenhausen sei eine grössere Stadt. Aber im Umkreis von 50 km gab es keinen Waschsalon.
Google fand dann eine Reinigungsfirma. Ich ruf dort an und hatte sofort den Inhaber am Telefon. Seine Antwort: rufen sie in 5 Minuten noch mal an (der Thüringer suchte nach einer Lösung). Fünf Minuten später kam folgende praktische Lösung: Seine Mutter betreibt eine Waldgaststätte in Bad Frankenhausen und würde dort meine Wäsche waschen!
Also stiefelte ich mit meinem Wäschesack zwei km an die Waldgaststätte „Sennhütte“. Die Waschmaschine war dort schon startklar und ich setzte mich in langen Unterhosen und T-Shirt an einen Tisch in der Gaststätte.
Eine Mahlzeit, zwei Bier und einen Nachtisch später waren Wäsche und Hosen blitzsauber und trocken.
Mittlerweile traf auch der „Sohn und Inhaber der Reinigungsfirma“ ein. Wir kümmerten uns zusammen noch um die notwendige „Klarspülung“ ! Zwei doppelte Klar-Spüler und alles war gut!
Das Problem wurde „Thüringisch“ gelöst.

Thüringer Becken

 

Von Bad Frankenhausen (Südseite Kyffhäuser) ging es im Sauseschritt durch das Thüringer Becken bis zum Nationalpark Hainich / Bad Langensalza. Das Thüringer Becken ist eine der fruchtbarste (richtig lesen! fruchtbar nicht furchtbar) Landschaft Deutschlands. Es gibt Felder die sind 3 km breit und 6 km lang. (Selbst mit GPS Navi gemessen). Ein einziges Feld!!! Das sind 18 km² oder 1800 ha für ein Feld!!! Die Traktoren allerdings sind wesentlich kleiner als bei unseren Bauern.
Also ist die Logik: grosses Feld – kleiner Traktor….kleines Feld – grosser Traktor….???
Im Thüringer Becken wird hauptsächlich Getreide angebaut. Häufig aber auch Raps…Mais sieht man nicht.

Wartburg / Drachenschlucht

 

Eisenach, die Eingangstüre zum Rennsteig ist Wartburgstadt. Die Wartburg ist untrennbar mit Martin Luther verbunden. Dort warf er sein Tintenfass gegen die Wand…heute wäre es der Computer. Dort übersetzte er die Bibel…heute können sie nicht einmal mehr eine Anleitung übersetzen. Dort lebte Luther anonym als Junker Jörg…heute würde der Nachrichtendienst sein Handy orten.
Als Wanderer geht es von der Wartburg zunächst einmal runter zur Drachenschlucht und dann durch diese Schlucht wieder hoch zur zum Rennsteig. Die Schlucht ist an der engsten Stelle nur 68cm breit…schlecht für Bodybuilder!
Ein sehr interessanter Weg…es lebt dort die bedrohte: grosse Wasserspitzmaus. Ich hatte  meine Brille nicht auf der Nase und dann sehe nichts, was kleiner ist als ein Zebra. Die grosse Wasserspitzmaus muss also kleiner sein. Zumindest schmaler als 68 cm…sonst käme sie nicht durch die Drachenschlucht. Ich habe keine große Wasserspitzmaus gesehen.

 

Rennsteig

 

Ich bin in Eisenach.Hier steht die Wartburg. Hier beginnt der Rennsteig.
Der Rennsteig ist der älteste und meistbegangene Weitwanderweg. Er verläuft als Kammweg auf 170 km Länge und ist mit insgesamt 2.513 Höhenmeter absolut kein Flachland. Es beginnt in Eisenach Hörschel und endet in Bayern.
Der Rennsteig ist seit dem 14.Jhd. als schnelle Verbindung (Rennsteig) von Nord nach Süd nachgewiesen.
Geradeaus ist Selten… es geht ständig auf und ab. Das Höhenprofil sieht aus wie die Aufzeichnungen eines Seismographen bei einem Erdbeben.
Der höchste Berg ist knapp unter 1.000m. Im Winter gibt es kräftig Schnee. Oberhof, Suhl sind bekannte Wintersportorte.
Der Rennsteig ist gleichzeitig Sprachgrenze, Wasserscheide und Übergang von Thüringer Bratwurst zu Leberkäs.
Ich hüpfe allerdings nach ca. 110 km vom Rennsteig ab, ansonsten komme ich zu weit nach Osten.

Nimm einen Stein mit…

 

Der 170 km lange Rennsteig beginnt in Hörschel/Eisenach. Dort fliesst die Werra. Es ist Tradition (vermutlich aber nur Marketing), dass jeder Wanderer einen Stein von der Werra (Fluss) aufnimmt und am Ende des Rennsteiges in die Saale (auch Fluss) wirft.

Die Werra mündet in die Fulda, die Fulda mündet in die Weser, die Weser mündet in die Nordsee.
Die Saale mündet in die Elbe, die Elbe mündet in die Nordsee.

Ich frage mich: was soll der Scheiss! Der Stein landet immer in der Nordsee. Klar passe ich mich an und schleppe auch einen kleinen Hinkelkstein über die 178 km.

 

Auf dem Rennsteig

 

Hänsel und Gretel hätten es schwer, denn auf dem Rennsteig kann sich niemand verlaufen.
Das grosse R ist unübersehbar. Ältester und meistbegangener Fernwanderweg. Perfekt markiert, alle 2 km eine Schutzhütte, und wunderschöne Aussichtspunkte. Der höchste Punkt 916 m ü.M. Ein wirkliches  Highlight für Wanderer!
Gut begangen, aber zu meiner Zeit nicht überlaufen. Komfortable Unterkünfte mit preiswerte Übernachtungen alle 10 km. Mitten im Wald: ein Stand mit Thüringer Bratwurst…es wurde wirklich an alles gedacht.

Wandergast Dagmar

 

Dagmar ist die Mama von Anne (also die Oma von Edi, genaugenommen die Schwiegermutter von Oli) und besuchte mich an Himmelfahrt als Wandergast.
Wir beschlossen eine Rundwanderung und keine Etappe zu laufen. Hauptgrund für diese Entscheidung war der Vatertag. An diesem Tag ist der Rennsteig bevölkert wie der Markusplatz in Venedig. Vormittags sind alle am Füllen, Nachmittags ist alles Voll…überwiegend mit Bier. Tausende!
Deshalb verlief unsere Wanderung etwas abseits vom Rennsteig. Es war sehr schön. Wir erzählten uns gegenseitig alle Jugendsünden von Anne und Oli und benötigten dafür fast acht Stunden bzw. 27 km!

 

800 Kilometer

 

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Den 600sten Kilometer feierte ich auf dem Kyffhäuser, den 800sten Kilometer auf dem Rennsteig!
Vom Kyffhäuser (Bad Frankenhausen) durchlief ich zunächst das Thüringer Becken. Etappenorte waren Greussen, Bad Langensalza, Craula, Eisenach. Mitten durch den Nationalpark Hainich. Sehr sehenswert!
Ab Eisenach bog ich auf den Fernwanderweg: Rennsteig und gab Gas. Etappenorte:  Hubertushaus, Grenzwiese, Oberhof, Neustadt, Friederichshöhe. In vier Tagen zählte mein GPS: 115 km.
Die nächste Kilometerfeier ist die 1.000 km…es wird irgendwo in Nordbayern sein. Ich bestelle schon mal die Blaskapelle!

Von der Mitte in den Süden

 

Im Süden des Rennsteiges (Friederichshöhe) verlasse ich den Rennsteig somit auch Thüringen und wandere nach Coburg/Bayern.
Eine idyllische  Dorfsituation bildete mein Schlusspunkt des Rennsteiges.

  • 32 Einwohner
  • 18 bewohnte Häuser
  • 1 Gastrobetrieb (Pension u. Restaurant)
  • drei Hinweisschilder zum Rennsteig
  • Hühner auf der Strasse

Höhenlage 800m.NN, kleinstes Dorf der ehemaligen DDR. Wunderbare Talsicht, herrliche Ruhe, keine Handyempfang aber Strom und fliessendes Wasser. Eine Dorfsituation wie im 19.Jahrhundert, der Dialekt ist katastrophal und unverständlich. Aber ich mag ja Dialekte (mögen bedeutet nicht, dass ich es auch verstehe). Ausserdem geht es jetzt nach Oberfranken und da wird die Verständigung vermutlich besser. Eventuell! Mal hören.
Auf dem Weg nach Coburg laufe ich an einer Discounterf Filiale vorbei. Da steht: Aldi Süd…ich glaube ich bin im Süden.

Veste Cobursch

In Coburg gibt es eine Burg, muss ja…wenn man so heisst! Veste Cobursch sagen die Franken. Ich war dort, besuchte jeden Raum, las jede Beschriftung und merkte mir Alles.
Nicht übel so ein Schloss. Dort wohnte das Adelsgeschlecht: Sachsen-Coburg und Gotha. Meistens heirateten sie ihre Cousins/Cousinen. Heute sind alle etwas einfach strukturiert.

 

Musste sofort an den Film „Pretty Woman“ denken!
Alles Voll! Wo lege ich denn da mein i-Phone hin?
Und mit welcher Gabel isst man Pommes?

Üblicherweise steht in Bayern das Besteck in einem Bierkrug in der Mitte des Tisches. Finde ich wesentlich praktischer.

 

 

 

 

 

Den kenn ich! Privat fährt er eine Harley Davidson und trägt eine auffällige Lederjacke mit dem Schriftzug „Member of Bandidos“.

Er trinkt nur Bier aus der Dose, rülpst aber nach einem Sechserpack durch die ganze Kneipe.

Ist ansonsten ganz friedlich.

 

 

 

Die Beschriftung ist falsch. Sie lautet:

Carl Eduard von Sachsen-Coburg und Gotha.
*1884  + 1954

Richtig wäre:
Freddy Mercury  * 1946  + 1991

 

 

 

So eine Rüstung wäre praktisch für Kinder!
Hält länger als die heutigen Protektoren. Da passiert nichts beim Snowboarden oder beim Skaten. Waschen wäre auch einfach. Es braucht nur ab und zu etwas WD 40.

Ich hätte gerne bei den Coburgern gleich vier solche Rüstungen für meine Enkel bestellt, wusste aber leider deren momentane Rüstungsgrösse nicht.

 

 

 

Sehr prollig dieser Klimbimm! Kann man heute beim Türken kaufen. Oder bei Kitsch und Krempel verkaufen. Gefällt mir nicht.
Als Zielobjekt, um aus zwanzig Meter mit Bierdosen zu treffen, gäbe auch noch eine sinnvolle Verwendung.

Stammt aber aus Venedig und ist sehr, sehr alt, vermutlich teuer; sonst wäre es nicht hinter Glas.

 

Vierzehnheiligen

 

 

Früher, als es noch keine Handys gab, nutzte der Katholik sogenannte Heilige.
Vor allem bei Notfällen! Dieses Notfall-Heiligen-Paket (vierzehn Heilige) war sehr praktisch. Da gab es Einen Heiligen der half, wenn man etwas verloren hat. Ein anderer heiliger Spezialist, unterstützte dich bei der Partnersuche.  Es gab aber auch Fach-Heilige für Bauchweh oder Halsschmerzen.
Auf meiner Wanderung besichtigte ich eine Klosterkirche kurz vor Bamberg. Vierzehnheiligen!
Eine phantastische Kirche (Rokoko). Baltasar Neumann war der Architekt. Der baute sowieso nur geile Dinger! Diese Kirche wurde den vierzehn Notheiligen gewidmet.
Damit sind wir wieder beim Thema: Notfallpaket!
Leider können heute die meisten Menschen mit Heiligen nichts mehr anfangen. Aber Handys bedienen, dass können sie! Dabei ist Hilfe in Zusammenarbeit mit Heiligen, viel einfacher.

Beispiel 1:  Du hast deinen Haustürschlüssel verloren!
Kurzes Stossgebet zum Heiligen Antonius und zack ist der Schlüssel wieder da. Meistens.
Heute soll die grösste Suchmaschine der Welt beim Suchen helfen. Google! Aber gib mal ein: mein Haustürschlüssel. Da tauchen 114.000 Ergebnisse auf. Kack!

Beispiel 2: Du suchst einen Lebenspartner.
Dafür ist der hl.Eustachius zuständig. In schlimmen Fällen führte der/die Suchende noch zusätzlich eine Wallfahrt durch.
Heute verwendest du eine App: Parship.de…erstens benötigst du ein teures Smartphone, zweitens die App mit Zugangscode, drittens must du alles bezahlen, ich glaube, dass ist ganz schön teuer!
Das war mit Eustachius einfacher und billiger. Kinderwünsche übrigens wurden mit der hl.Notburga erfüllt. Gratis!

Beispiel 3: Du hast Bauchschmerzen!
Nothelfer war der hl.Erasimus!
Heute benötigst du : Kijimea Reizdarm Kapseln 84Stk 57 EUR. Die kannst du übers Handy im Netz bestellen. Lieferung frei Haus. Bezahlung über PayPal.
An den Erfolg musst du bei beiden Lösungen glauben! Erasimus war wesentlich günstiger.

Ich könnte noch viele Beispiele bringen. Der mit den Halsschmerzen war St.Blasius.

Übrigens…gibt es noch einen Hammereffekt bei der Rokoko Kirche. Der Neumann hatte diesen Effekt total drauf.
Von aussen ist die Kirche Sandsteingrau eher unscheinbar, dann öffnest du die grosse Kirchentür… Boah! Blend,blend… Color-Lightshow durch die Fenster, alles Marmor,Gold und Glamour, Super Illumination, gigantische Räume!

…versetz dich mal in den Menschen vor 300 Jahren, der aus seiner dunklen Wohnhöhle kroch. Der war total von der Rolle!

 

 

das grosse Pfingst-Rate-Mitmach-Quiz

Liebe Leser,

zur Abwechslung mal ein kleines Quiz von meiner Reise?

Durch anklicken vergrössert ihr die Bilder.

 

 

Frage 1: Wie heisst der Gipfel ?

 

 


 

 

Frage 2: In welche Richtung zeigt dieser Wegweiser?

Nach links, nach rechts oder geradeaus ?

 


 

Frage 3: In welchem Bundesland stehe ich?

Bild anklicken.

 

 


Mitmachen und gewinnen! Selbstverständlich winken drei tolle Preise. 😉

Ihr könnt mir die drei Lösungsantworten per Mail senden. 

Mailadresse :  mail@dreckschuhe.eu

Als Kommentar wären die Antworten für alle sichtbar.

Also mitmachen und gewinnen!!!

Eintausend Kilometer und Quizauflösung

 

anklicken zum Vergrössern

Keine Blaskapelle, kein Triumphbogen, keine Lichterscheinung am Himmel! Ich weiss nicht einmal wo die Tausend-Kilometer-Marke genau lag. Vermutlich auf einem langweiligen Teerstück zwischen Bamberg und Nürnberg.

Der 800ste Kilometer lag noch auf dem Rennsteig. Von dort ging es talwärts nach Coburg. Anschliessend über Bamberg nach Nürnberg. Die genaue Route kannst du auf der Karte sehen. Zwischen Forchheim und Gräfenberg war dann der „Tausender“.

Es macht immer noch Spass! Keine Blasen, keine Verletzungen, keine Zipperlein…der Rucksack und mein Rücken sind mittlerweile dicke Freunde! Da ich hauptsächlich auf Wald- und Feldwegen unterwegs bin, sehe ich täglich viele Tiere. Vor allem Wildhasen! Aber auch Rehe, Füchse, Wildschweine und sehr viele Vögel.

In der Woche laufe ich circa 120 bis 150 Kilometer, das ist etwas mehr als geplant. Aber alles sehr entspannt, denn ich habe ja Zeit. Am Morgen beim loslaufen weiss ich zwar noch nicht wo ich Abends schlafe, aber es geht immer. Unterkünfte zu suchen ist ein spannender Teil meiner Reise und ich habe noch nie…nicht geschlafen. Es läuft wirklich gut!

 

Die Lösungen des Pfingstquiz:

Frage 1 : Wie heisst der Gipfel?  Antwort:  der Brocken
Frage 2 : In welche Richtung zeigt dieser Wegweiser?   Antwort: geradeaus
Frage 3 : In welchem Bundesland stehe ich? Antwort: Bayern (fränkische Fahne)

Die Gewinner erhalten Ihren Preis per Post! Danke fürs Mitmachen.

Eine Nacht in Nürnberg

 

 

 

 

Von Norden her nach Nürnberg einzulaufen ist super. Du gehst durch den grossen Reichswald ca. 10km, ein paar Parkwege und plötzlich steht du vor der Nürnberger Burg. Mitten in der Stadt!

Ein Teil dieser mächtigen Burg ist Jugendherberge. Schon öfters übernachtete ich in Jugendherbergen. Also fragte ich nach einem freien Einzelzimmer.
Die Rückfrage kam prompt: wo kommen sie denn her? Klar, erzählte ich meine Wandergeschichte und erstaunte damit den freundlichen Mann an der Rezeption. Er entschied sich spontan, mir einen Gefallen zu machen und gab mir das Turmzimmer im Eckturm! DAS TURMZIMMER IN NÜRNBERG…! Diese Türme sind Wahrzeichen der Stadt!

Die Burg Nürnberg war Kaiserpfalz und über Jahrhunderte von Kaisern, Königen und deren Mädels bewohnt. Garantiert stiegen die auch mal aus Langweile in das Turmzimmer, um über die Stadt zu schauen. Und genau dort lege ich nun mein müdes Haupt nieder und hänge meine Wandersocken ins Fenster…zum auslüften.
Ich roch, nahm aber die Sockendüfte in der Stadt unten nicht wahr. Lebkuchendüfte und Rostbratwurstdüfte überlagerten meine Note.

Ein Stück auf dem Jakobsweg

Bayern ist ein gläubiges Land. Sie glauben an die Heilkraft des Bieres, an die immerwährende Meisterschaft des 1FC`s und ein bisschen auch an den Herrgott. Im Bamberger Dom treffen jedes Jahr einhundertsechzig Gruppen mit Wallfahrern ein, in Coburg schenkt eine Gaststätte, gegen Vorlage des Pilgerausweises, kostenloses Pilgerbier aus und auf dem Weg von Nürnberg nach Ulm sollst du nicht laut fluchen, falls der Weg wieder einmal nicht richtig markiert ist.
Alle sind freundlich, besorgt, fragen woher, wohin und helfen dir…bei der Weg- und Unterkunftsuche. Glatzköpfige, vollkörpertätowierte 150kg schwere bayrische Brocken sagen artig: Grüss Gott und in jeder Kneipe gibt es einen Herrgottswinkel. Bayern halt!
Ich nutze den Jakobsweg, da er der einzige durchgehend markierte Wanderweg von Nürnberg nach Ulm ist. Die Strecke wird seit Jahrhunderten begangen und Gasthöfe mit Unterkunftsmöglichkeiten gibt es fast in jedem Ort. Jedes Kaff mit eigenem Feuerwehrauto besitzt auch eine eigene Brauerei. Gräfenberg hat tausend Einwohner und vier Brauereien!!

Nein, verdursten muss man nicht auf diesem Weg.Die ganze Strecke durch Bayern ergeben mehr als 400 km. Verdammt weit! Oh…ich bin ja auf dem Jakobsweg. Recht weit!

 

Nördlingen

 

Das hat sicher gewackelt, als dieser Asteroid vor 14 Mio.Jahren hier in Nördlingen einschlug. Wobei es vor 14 Mio.Jahren die Stadt Nördlingen noch gar nicht gab. Es gab noch nicht mal Menschen. Die Dinosaurier waren auch bereits ausgestorben. Und es gab  noch kein Internet, Kinder! Nur Säbelzahntiger.
Der Asteroid-Stein-Brocken war einen Kilometer gross, schlug ein Krater von 25 km Durchmesser sowie ein Loch mit einer Tiefe von 4.500m. Das ist so, als ob man das Matterhorn(4.445m.NN) umgekehrt in den Boden haut. Der Steinbollen aus dem All zerbröselte und füllte das Loch wieder auf. Den Krater kann man heute noch sehen.

Heute ist Nördlingen ein sehr hübsches Städtchen mit einer komplett erhaltenen begehbaren Stadtmauer, Fachwerkhäuser und mittelalterlicher Athmosphäre.
Das Nördlinger Ries (so wird der Krater genannt) ist für Geologen weltweit hochinteressant.
Zuerst dachte ich beim Wandern: heute sind aber viele Schreiner unterwegs, bis ich merkte, dass die Leute mit dem Hammer keine Schreiner, sondern Geologen sind.

1.200 Km

Ja wo bin ich denn…nach 1.200 km?      Jawohl, im Spätzle-Country: Württemberg!

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Die 1.000 Kilometermarke lag noch in Nordfranken kurz vor Nürnberg. Es ging dann runter über Nürnberg, Schwabach, Abenberg, Wernfels, Gunzenhausen, Heidenheim, Oettingen, Nördlingen danach die Landesgrenze von Bayern zu Württemberg, erste Station Neresheim. Und nun sind es Eintausendzweihundert! Zack!

Seit Nürnberg bin ich auf dem Jakobusweg eingespurt und bewege mich nach Südwest, Richtung Ulm. Der Jakobusweg führt selbstverständlich an jeder Dorfkirche und an jedem Wegkreuz vorbei. Die Gegend tropft vor Geschichte. Kein Ort ohne Dreissigjährigen Krieg, ohne Stadtbelagerung, ohne irgendeinen  Dorfhelden, der die Welt oder zumindest das Dorf vor der vollständigen Zerstörung rettete.
Alles unterfränkische Zorros, Robin Hoods oder Wilhelm Tells! Das Heldentum liegt den Bayern einfach im Blut. Sie können nichts dafür.

 

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Von Höhlenbären und andere Schwaben

 

Die schwäbische Ost-Alp ist sehr hügelig. Auf jedem Buckel steht eine Burg oder eine Ruine oder, längst abgebaut, ein Galgen. Irgend etwas Wichtiges halt!

Und es gibt Höhlen. Die ganze schwäbische Alp ist durchlöchert…ein Vergleich mit Schweizer Käse bietet sich an. Die Charlottenhöhle bei Gingen a.d.Brenz lag an meinem Weg…und dort bin ich mit Führung rein. Die Höhle ist 587 m lang und wird nach hinten ganz schön schmal und eng. Eigene Fotos zu machen war unmöglich. Diese Tropfsteinhöhle wurde von Höhlenbären bewohnt. Heute steht die Höhle leer. Die Spezies starb vor 15.000 Jahren aus, weil die Bären in der Nahrungsauswahl sehr unflexibel waren (was der Bauer nicht kennt, dass frisst er nicht). Als Vegetarier frass der Höhlenbär nur ganz bestimmte Pflanzenarten. Nach der Eiszeit änderte sich die Vegetation, der Feinschmeckerbär fand seine Kräutlein nicht mehr…also starb der Höhlenbär aus. Pech gehabt!

Auf der rauen schwäbischen Alp lebt ein besonderer Menschenschlag. Hartgesottene Schwaben, stur, flexibel wie Höhlenbären. Breiter Dialekt! Die Sätze sind nicht übersetzbar. Jedes Wort hat mindestens fünf O.
Die schwäbische Genügsamkeit (Geiz) ist deutlich zu spüren…eine Kirchturmbesteigung kostet Geld und wer beim Frühstück  nicht nur zwei Scheiben Käse sondern auch noch Butter auf das Brot schmiert… wird bereits vorwurfsvoll angeschaut. Entlang den Wanderwegen werden keine Sitzbänke aufgestellt:  bei ons wird  g`schafft und ned g`hocked! Der karge Boden, hat die Menschen geprägt.
Aber es gibt feine Spätzle, wunderbare Brezel und frischen selbstgemachten Obstkuchen. Höhlenbärenschinken sah ich auf keiner Speisekarte…das Verfallsdatum ist vermutlich seit einigen Jahren abgelaufen.

Ein Graffiti

 

 

 

 

 

 

 

Ein Graffiti. Entdeckt an der Ulmer Stadtmauer!

Es wird wärmer! Fuck the Pullies!

Dem Text ist nichts zuzufügen.
Es wird diese Woche merklich wärmer. Meine persönliche Lösung  5:00 Uhr aufstehen, keine Frühstück, loslaufen, Etappenziel bis 13:00 erreichen, viel Wasser trinken, Siesta, Eis essen, Nachmittag ins Schwimmbad oder alles zusammen.

Der Gang geht zu Ende

 

Noch am Montag spuckte ich in Ulm in die Donau. Am Dienstag stand auf einer Speisekarte Wurstsalat, Schweizer Art. Einen Tag später, entfernt am Horizont, die Alpenkette. Alles klare Indizien. Es geht nach Hause!
Am Mittwoch 3.Juli erreiche ich das westliche Bodenseeufer und drei Tage später, am Samstag, 6.Juli werde ich in Jestetten eintreffen.

Mein Gang geht zu Ende.
Geplant waren 90 Tage nun sind es bis am 6.Juli genau 81 Tage. Neun Tage schneller als erwartet. Doping kann ich ausschliessen, vermutlich starker Rückenwind.
Derzeit wandere ich aber vom barocken Oberschwaben an den Bodensee und es wird in den nächsten Tagen noch ein paar Berichte geben.

 

Schnörkellos

 

 

Von wegen Schnörkellos! Hier in Oberschwaben (Barockstrasse) hat alles Schnörkel. Das Rathaus, das Spritzenhaus, das Bushäusle, auch Tierställe sind „barockisiert“ . Ochsenhausen, Bad Schussenried, Bad Saulgau…alles Städte mit barocken Klosteranlagen und repräsentativen Stadthäusern. Die damaligen Handwerker erstellten solche Gebäude und Klosteranlagen teilweise innerhalb von 10 Jahren. Heute unvorstellbar!

In Bad Schussenried steht eine grosse Klosteranlage. Dort lebte von 1575 bis 1625 der Mönch Caspar Mohr, er beschäftigte sich intensiv mit dem Fliegen,baute Flugapparate aus Gänsefedern und bastelte halt so rum. Pater Mohr, galt als Genie und als sehr klug. Der amtierende Abt war jedoch noch gescheiter (muss er ja, als Chef) den der Abt verweigerte dem klugen Spinnerpater den Sprung aus dem dritten Stock, um ein Fluggerät zu testen.

Der aufwändig ausgestattete Bibliothekssaal im Schussenrieder Kloster ist im Stil des Rokoko gestaltet. Rokoko, das ist noch wilder und glamouröser als Barock. Bild oben.
Motto des grossen Freskos: Wissen und Weisheit. In diesem Deckenfresko wurde neben Göttern, Heiligen und alten Griechen auch unser Pater Mohr mit seinem Gänsefederflugapparat abgebildet. Die Jungs aus dem Kloster hatten durchaus Sinn für Humor und schräge Typen.

Als einziger Besucher im Bibliothekssaal konnte ich mir Zeit lassen. Ich setzte mich hin,  schaute das Deckengemälde mit diesem Pater Mohr und seinen Gänsefederflügeln an..und hatte so meine Gedanken:

Innert zehn Jahren fertiggestellt? Dabei fällt mir sofort der Berliner Flughafen ein. Dieser wäre mit Handwerkern aus dem 18.Jahrhundert schon längst betriebsbereit. Überhaupt ? Ein barock gestalteter Flughafen mit Stuck und Fresken würde garantiert den heutigen Rechte-Winkel-Glas-Beton-Stahl-Gebäude-Klötzen die Show stehlen. Japanische Fluggäste wären total wild auf diesen Airport.
Der Vatikan als Namenssponsor tauft den Flughafen auf den Namen: Himmel-fahrt!
Schliesslich gibt es auch die Allianz- Arena und die Nivea- Halle.
Freskenmaler bräuchten keine neuen Motive. Die Bildmotive mit fliegenden Engeln und Himmel könnten bestens in das Flughafenthema integriert werden.
Dauerbeschallung in der Ankunftshalle mit: “ Vom Himmel hoch da komm ich her…“
Die Dauerschleife in der Abflugshalle wäre : „Hoch sollst du leben…“
Pater Mohr hätte seine Freude an so einer Spinnerei.

Die nächste Führung kommt in den Bibliothekssaal. Sprachlich erkenne ich sofort: Berliner!
Soll ich es dieser Gruppe schon mal verraten?

 

 

 

Raufaserlandschaft

 

Nördlich des Bodensees liegen die Gebiete Linzgau und Oberschwaben. Zugegeben es gibt bekanntere Gegenden, aber ich muss da  jetzt halt durch! Und zwar durch die Landkreise Biberach, Ravensburg und Sigmaringen.
Die Topografie dieser Landschaft zwischen der schwäbischen Alp und dem Bodensee ist wie eine stark vergrösserte Raufasertapete. Ein Hubel am anderen. Flach ist es nie. Eigentlich eine nette Landschaft, aber zum Wandern bei 30 Grad, mühsam. Von Ochsenhausen bis zum Bodensee mache ich 1.800 Höhenmeter!
Die Dörfer und Städtchen sind Hammer. Ich sah tatsächlich einen Landwirt, ohne Maschine! Er mähte die Wiese mit einer Sense! Klar blieb ich stehen und wir schwätzten über die Wärme und das Wetter, zum Schluss fragte ich: warum er das mit der Hand mähe? Seine Antwort: ich will das nicht verlernen, ausserdem hat es in dieser Wiese besondere Blumen. Die lasse ich stehen!
Leider hatte ich kein Bundesverdienstkreuz im Rucksack…ich hätte es ihm gegeben.

Der Dorftyp ändert sich von Nord nach Süd. Im Norden (Oberschwaben) barocke Gebäude. Zwiebeltürme! Im Süden (Linzgau) werden die Dörfer schlichter und die Kirchtürme spitziger. Bei Fön gibt es die totale Alpensicht. Im Vordergrund der Bodensee, im Hintergrund die Alpen in voller Breite. Von den Allgäuer-über die Österreicher bis zu den Schweizer Alpen. Wenn man Alpensicht hat. Ich hatte keine!

 

 

Meine gelaufenen Kilometer

 

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Ich habe euch alle 200 Kilometer berichtet, jetzt aber festgestellt, dass die Kilometerangaben nicht stimmen. Nicht alle Tagesetappen wurden gespeichert und erst jetzt  bemerkt. Die Nachberechnung ergibt, dass die Gesamtstrecke bei ca. 1700 Kilometer liegt.

Die Route: letzter veröffentlicher Wegpunkt war Neresheim (Bayern) von da ging es über Gingen(Brenz), Niederstotzingen nach Ulm. Von Ulm an der Iller entlang nach Süden. Dann nach Südwesten… Schwendi,Ochsenhausen, Schussenried, Saulgau, Ostrach und Pfullendorf. Von Herdwangen-Schönaich über den Sipplinger Berg nach Sipplingen am Bodensee, Ludwigshafen, Radolfzell, Oehningen. Noch ein Zwischenhalt in Gailingen und dann die letzte Etappe nach Jestetten.

Komplett gibt es  68 Lauftage plus 13 Ruhetage. Im Schnitt lag mein tägliches Laufpensum bei 25 km (täglich zwischen 15 km und 37 km) dies ergibt  68 Tage x 25 km also 1.700 Kilometer Gesamtstrecke.

 

 

Danke

 

Es ist jetzt kurz vor Mitternacht und morgen Samstag laufe ich die letzte Etappe nach Hause. Der Gang ist gegangen. Auf so einer Reise kann ja immer auch was Unvorhergesehenes passieren, aber alles lief glatt, besser als gedacht. Keine Blasen an den Füssen, nur ein kleiner Sturz (Schrammen sind verheilt). Zu 95 Prozent machte die Wanderung Spass, die anderen 5 Prozent habe ich bereits vergessen (Altersvergesslichkeit).

Ich will mich bedanken.

Bei meiner Familie, die diese schräge Idee mitgetragen hat. Der tägliche Kontakt mit Andrea war wichtig. Bei meinen erwachsenen Kindern und deren Familien, die mich sehr motivierten. Überhaupt bei allen, die mein Vorhaben gut fanden.

Bedanken möchte ich mich auch bei Euch, meinen Bloglesern für die Begleitung auf meiner Tour. Einen Online-Reisebericht zu schreiben war eine neue Erfahrung für mich und ein guter Ausgleich. Eure Kommentare haben mich motiviert.

Zum Schluss sage ich noch Danke bei Zweien ohne die meine Reise nicht möglich gewesen wäre. Die Beiden gingen alles mit, sie haben sich nie aufgeblasen, sie haben sich nie hintergangen, wir haben die Tour zusammen durchgestanden. Ich ward mir eine grosse Stütze. Ich bedanke mich bei meinen beiden gut funktionierenden Füssen.

 

 

Das war`s!
Der Blog wird noch ein paar Monate online erreichbar sein.

Jetzt gehe ich erst mal… meine Dreckschuhe putzen!

Tschüss