büschen bekloppt

Schleswig-Holstein ist flaches Land. Dialekt, Leute und Gegend wie in Büttenwarder (Fernsehserie ARD). Die Landschaft flach wie eine Flunder und die Leute sehr sparsam mit Wörtern.
Da ging ich also meinen Gang und trank an einer Tankstelle einen Kaffee. Mein Rucksack neben mir auf der Bank. Da kommt so ein „Büttenwarder“ und setzt sich neben mich. Minutenlang fixierte er den 45 Liter Rucksack. Dann endlich meinte er:“ Weit her“?  Um es im Gleich zu tun antwortete ich ebenfalls sehr karg mit: “ Ja“. Woher meinte er, da sagte ich: „Schweizer Grenze“.
Er stand auf und formulierte einen ganzen Satz:“ büschen bekloppt muss man schon sein“.

 

 

Die ersten 200 Km

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Nun bin ich schon 220 km gelaufen. Die Strecke führte mich von Krusau/Flensburg über Schleswig, Eckernförde, Kiel, Plön, Lübeck bis nach Lauenburg an der Elbe. Im Schnitt waren es täglich 7 bis 10 Höhenmeter. Flachland halt! Dafür sehr viel Wasser zuerst Ostseeeküste dann Binnengewässer, Kanäle, Flüsse und Seen. Dass der Norden so wasserreich ist, habe ich mir nicht vorgestellt. Es macht das Wandern nicht einfacher. Ohne Brücken und Fähren kommst du nicht weiter. Umwege über mehrere km sind vorprogrammiert.
Im Zelt zu schlafen ist mir zu kalt ( +2°C  in der Nacht). So trage ich halt ein Zelt mit, gehe aber in Pensionen oder Gästehäuser das Angebot ist gross. Ich hoffe es wird irgendwann mal wärmer und kann Campingplätze nutzen. Das Wandern geht immer besser, eine Etappe von 37 km habe ich gut verkraftet, im Schnitt sind es aber nur 25 km. Kein Muskelkater, keine Blasen, der Rücken hat sich mit dem Rucksack angefreundet… es macht Spass.
Das Wetter ist für Mai recht kalt. Sonne, Regen, Schneegraupel, Wind und Sturm…die ersten drei Wochen boten das volle Repertoire!
Aber…in jeder Dorfbäckerei gibt es phantastische Zimtschnecken! Ich glaube Zimt wärmt.

Ritter, Blues und Meindl

Der Himmel über Lüneburg strahlte bereits frühmorgens in nordischem Grau. Vom B&B bis zur Wanderstrecke zeigte das GPS  acht Kilometer (1 ½ Stunden) durch die Stadt. Also erst mal über Kopfsteinpflaster stolpern und dann Stadtauswärts entlang der vierspurigen Bundesstrasse.

Es lärmte und stank. Ein Motorradfahrer raste so nahe an mir vorbei…ich hätte am liebsten meinen Stock zwischen seine Speichen gerammt. Aber ich war zu langsam.
Als Nächstes hauchte mir eine LKW eine Dieselwolke ins Gesicht. Super!
Dann ein militanter Radfahrer. Er riss fast meinen Rucksack mit. Als Speerwerfer könnte ich in von hinten mit dem Wanderstock vom Rad holen. Aber ich bin kein Speerwerfer.
Wie ein Schaaf mitten in einer Bisonherde fühlte ich mich. Zumindest so ähnlich.
Dann fängt es auch noch an an zu regnen. Rucksack ab, Regenhose an. Nach 1 ½ Stunden endlich am Elbe Seitenkanal angekommen, dem Start der heutigen Wegstrecke, war meine Laune auf dem Tiefpunkt. Nicht mein bester Tag heute…jetzt frischte auch noch der Wind auf, was hier Wind ist, läuft im Süden unter Sturm. Fruscht pur! Was tun?

Mein persönliches Frustabbau-Rezept heisst: RITTER, BLUES und MEINDL.
Im Klartext heisst dies: Schokolade futtern, Musik in voller Dröhnung und Sturmschritt. In diesem Fall, nutzte ich das volle Paket!
Also eine Reihe Schokolade (vier Rippen) zwischen die Zähne, Ohrstöpsel rein (Player auf Level 17) und loslaufen. Stressabbau mit Musik geht am besten mit BAP oder BluesBrothers. Heute war es BAP.
Fünf Musikstücke später (20 Minuten) waren meine Mordgedanken weg. Durch das Gehen reduzierte sich meine Frustration weiter auf ein Minimum. Das funktioniert übrigens immer. Nach dem zehnten Musiktitel (Kristalnaach) pfiff ich schon mit und aus dem Wanderstock, der vorher noch meine Waffe war, wurde eine Luftgitarre. Alles OK. Es regnete in Strömen aber das nordische Grau war anders…freundlicher.
Ritter, Blues und Meindl wirken magisch! Siebenundzwanzig Kilometer später dachte ich nicht mehr an Lüneburg. Warum auch.

Eine Nacht im Damenstift Kloster Medingen

„Übernachtung im Frauenkloster“ klingt ja sehr spannend… ist aber unspektakulär. Nach 27 km Wegstrecke raffte ich mich noch auf, um ein Kloster zu besichtigen. Grosse Anlage, alte Mauern, 12.Jhd., sehr ehrwürdig und kaum bewohnt.
Leicht verschmutzt, mit Rucksack und Dreckschuhen kommt man immer ins Gespräch. Auch mit Klosterfrauen. Also erzählte ich meine Story und fragte wo eine Übernachtungsmöglichkeit zu finden sei. Die spontane Antwort: kein Problem, wir haben Gästezimmer.
So fand ich mich 10 Minuten später in einem blitzsauberen Zimmer mit 20 cm Schlüssel, Inventar aus den Sechzigern und über allem ein leichter Maiglöckchen-Weihrauch-Mottenduft. Um 18:30 Uhr gemeinsames Abendessen mit Kräutertee. Alles Perfekt!
Ich habe in teuren Hotels schon sehr viel schlechter übernachtet und auch wesentlich schlechter gegessen.
Da mein Gang eine Wanderung und keine Pilgerfahrt ist, war ich beim Spenden-Opferstock dann etwas grosszügiger.

Dänisch, Platt, Schriftdeutsch

Der nordöstliche Teil von Schleswig-Holstein, die Gegend zwischen Flensburg und Schleswig ist teilweise zweisprachig. Für mehr als 100 000 Personen aus dieser Ecke ist Dänisch die Muttersprache. Sie sind Deutsche aber eine dänisch sprechende Minderheit. Auf dem Land häufiger als in der Stadt. Es gibt dänischsprachige Schulen, Zeitungen und Bücher. Südlich der Stadt Schleswig ändern sich die Ortsnamen. Aus den dänisch geprägten Ortsnamen Gammelby, Schaalby , Haadeby werden Orte mit den Endungen …hörn, -diek oder -holm. Das Plattdeutsche verdrängt die dänische Spracheminderheit.
Ab jetzt heisst es überall als Gruss: Moin, moin! Und das am Morgen, am Mittag und am Abend!
Hundert Kilometer südlich von Lüneburg ist leider auch dass, durch die Nase gesprochene, Platt zu Ende. Es fehlt!
Ab jetzt sprechen die Leute keinen Dialekt mehr! Sie artikulieren sich in persilreinem Schriftdeutsch. Langweilig. Keine eigenen Wörter. Die Eltern lesen den Kindern als Gute-Nacht-Geschichte vermutlich den Duden vor. Dafür erhöht sich die Wortfrequenz. So schnell wie die Leute Sprechen,kann ich gar nicht Hören.

400 km …on the Road

 

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Nun sind es bereits 400 km. Der Rucksack drückt nicht mehr. Die Füsse laufen von alleine. Alles gut.
Von der Elbe (Lauenburg) bis nach Gifhorn ging es einige Tage  am Elbe Seitenkanal entlang. Gütertransport! Kohle nach Berlin. Container nach Leibzig. Öl nach Polen. Die Schiffe überholen mich, aber an der nächsten Schleuse treffen wir uns wieder.
Durch die Industriegebiete Braunschweig, Salzgitter, Wolfsburg schlich ich mich mitten durch (grosse Städte sind Wanderfeindlich) um, wenn alles gut läuft, in 4-6 Tagen am Harz sein.

10 LKW weniger auf der Autobahn

 

 

 

 

 

 

 

 

typisch Deutsch

Auf meinem Weg durch die Republik frage ich mich: was-wer-wo ist typisch Deutsch. Hier im Dreieck Wolfsburg, Magdeburg und Harz kommt es den Klischees schon sehr nahe.
Der Gehsteig wird nicht gefegt sondern gesaugt, jedes Gänseblümchen eleminiert, alles ist Sagrotansauber und aufgeräumt.
Der Wald heisst Forst: gesprochen aber mit einem zusätzlichen a… F-o-a-r-s-t !
Unterricht in Fussball, Bier und Bratwurst vermutlich ab der Grundschule. Papa fährt Audi, Mama fährt Golf. Was fehlt ist das Sauerkraut auf der Speisekarte. Warum auch immer.
Ist das alles typisch Deutsch? Auf jeden Fall ist es interessant für den Spaziergänger,der durch die Dörfer und Vorstädte geht, wandert und beobachtet.

an alle Leser

Ich muss da ein  paar Fragen beantworten:

Kann ich diese Blogadresse weitergeben?    Na klar! Dieser Blog ist öffentlich. Es fehlt allerdings die Indizierung bei Suchmaschinen. Google, Bing und Co. finden die Website nicht. Wenn ihr allerdings eingebt: www.dreckschuhe.eu  mit www  dann findet auch Google den Blog. Noch besser: ihr gebt die Adresse einfach in die Befehlszeile ein, dann seit Ihr wuuusch im Blog!

Kann man dich unterwegs erreichen?  Na klar! Eine Rückmeldung, über die Beiträge geht schnell und einfach über die Kommentar Funktion. Ich freue mich über Reaktionen.
Möchte mir jemand etwas persönliches erzählen, geht das per Mail. Dann ist es nicht öffentlich. Die Mailadresse  mail@dreckschuhe.eu  erreicht mich auch unterwegs.

Wie ist das mit dem Gastwandern?  Na klar!  Gerne wir machen einen Termin aus. Näheres dazu findest du auf der Seite Infos für Gastwanderer .

habe gewählt

 

Ich habe in einer Eisdiele gewählt:

  • zuerst einen Eisbecher
  • dann Europa
  • dann Kreistag
  • dann Gemeinderat

Meine persönliche Wahlkabine für die Briefwahl bastelte ich mit einer Eiskarte. Dahinter fand die Wahl statt: frei und geheim!

Die Wahl des Eisbechers verrate ich: Vanilleeis mit Waldfrüchten und Mandelsplitter… das Andere nicht.
Nur etwas gebe ich offen zu…gäbe es eine europäische Staatsbürgerschaft… ich hätte sie bereits beantragt.
Meine Skepsis war gross, ob die Briefwahl-Aktion klappt.
Online-Antrag zur Briefwahl – Wahlunterlagen an die Wohnadresse zugestellt – von dort Versand der Briefwahl an eine Adresse auf meiner Route. Und…! Es hat perfekt geklappt!
Hoffentlich packt die Post den Rückversand auch noch!

Mit dem Eisbecher war ich zufrieden…mit dem Ausgang der Wahlen…da schau mer mal!

 

Fachwerk, Kopfstein und Schieferdach

 

Hammerstädte…gibt es hier!
Wenig Bauhaus-Schachteln, mehr krumme Wände als rechte Winkel! Zumindest in den Innenstädten.Am Stadtrand ist die Funktions-Architektur sehr verbreitet. Oh jeh…und wie!

Goslar…

Fachwerk pur. In diesen Gassen dreht man ohne Vorbereitung Mittelalterfilme. Hinter jeder Ecke könnte Siegfried und Krimhild stehen. Alles wie vor 500 Jahren…nur die Handys der Leute sind neu. Märchenhaft.

Wernigerode…

Der beste Denkmalschutz ist: fehlendes Geld. Die alte Substanz wurde nach der Wende durch Mittel der EU aufwändig restauriert. Sehenswert.

Bad Harzburg…

Keine Fachwerk…aber eine Bäderarchitektur aus dem 19.Jhd. Stattliche Hotels, Trink-und Wandelhalle, Kurpark. Treffpunkt der Schicken und Schönen.Nix zerstört in den Kriegen.
Statt Kutschen rattern heute die Rollatoren mit Rentnern aus Halle, Magdeburg und Leibzig auf dem Kopfsteinpflaster. Kaffeetrinken mit abgespreiztem kleinem Finge. Im Hintergrund läuft die CD : die Wiener Philharmoniker spielen ABBA. Ich gehe in so ein Oma-Café; bestelle ein Kännchen Kaffee und dazu :Apfeltorte mit Sahne. Wunderbar.

 

Im Nationalpark Harz

In der BRD gibt es 16 Nationalparke. Einer davon ist der Harz mit einer Fläche von 24.000 Hektar. Auf dieser Fläche wird alles sich selbst überlassen.
Der Stihl-Kettensäge-Besitzer beisst sich auf die Kettenzähne. Alles liegt kreuz und quer, der Wald ist nicht aufgeräumt: Chaos. NICHTS wird gemacht. Alles darf…selbst der Waldschreck: Borkenkäfer. Die Wege werden gesichert aber sonst passiert nix. So stelle ich mir den Wald vor 1000 Jahren vor. Urwald! Mystisch! Schön!
Nur 2 Grad an diesem Tag. Nebel stieg aus den riesigen Moorflächen. Es blubberte in den kleinen Tümpeln und ich war alleine unterwegs. Nein,nein ich hatte keine Angst…aber mein Tempo war wesentlich schneller als sonst und bei jedem Geräusch drehte ich mich um…ob da nicht doch ein Säbelzahntiger….?Wie im Science Fiction Film. Nach diesen 15 km bin ich total überzeugt, dass es im Harz: Hexen, Geister und Gnome gibt. Ehrlich!

Auf dem Brocken

Hoch ist er mit 1.141 m ü.M. nicht. Aber nach 200 km Flachland, die erste Erhebung. Der höchste Berg Norddeutschlands. Man muss sich vorstellen…die Wolken schlendern so ungebremst über das flache Land und zack, stossen sie an diesen Berg. 300 Nebeltage im Jahr! 10 Grad Durchschnittstemperatur im Juli! 178 Tage im Jahr bedeckt mit Schnee! Das Wetter ändert sich stündlich! Windgeschwindigkeite von 263 m/h wurden gemessen! Als Freizeitberg taugt so ein Brocken nicht. Zu DDR Zeiten diente der Gipfel als Lausch-und Hörstation für den Osten. Antennen, Satelittenschüsseln und sonstige Hörgeräte installiert. Ein grosser Teil war militärisches Sperrgebiet.

Und auf diesen Brocken (früher Blocksberg) wollte ich hoch. Zu Fuss. Von Harzburg über den Teufelsstieg auf den Gipfel. Es war scheusslich kalt und mühsam, den meine Beinmuskeln waren noch auf Flachland eingestellt. Dann sind 1000 Höhenmeter anstrengend. Der Abstieg wesentlich einfacher über den „Goetheweg“. Der Geheimrat war nämlich auch schon mal oben, aber ich glaube, das ist schon ein paar Tage her. Und Antennen gab es damals auch noch nicht. Nur Hexen.

Die ersten Wandergäste

Am letzten Wochenende erwartete ich meine ersten Wandergäste. Oli und Edi fuhren von Berlin (4 Std. Zugfahrt) an den Südharz. Die Wetterprognose war gut. Unser Plan: zelten an der Odertalsperre. Opa, Sohn und Enkel! Ein reines Männerwochenende mit Zelt, Lagerfeuer, Bratwurst und Bier. Ohne Zähneputzen!
Die Strecke von 2,5 km war für den vierjährigen Enkel eine „grosse Tour“. Schliesslich begleitete er seinen Opa auf seiner Wanderung… zumindest ein Stück weit. Zeltaufbauen, Holz sammeln für das Lagerfeuer, Feuer machen  alles spannende Arbeiten für einen Vierjährigen.
Dass ich bisher hauptsächlich in Pensionen übernachtete (es war einfach zu kalt) verschwieg ich, denn er wollte ja Abenteuer und er erhielt es. Natürlich durfte Edi so lange aufbleiben wie er wollte, schliesslich war das ja ein Männerwochenende. Oli und ich tranken noch ein paar gemütliche Biere und am Sonntag war das Abenteuer schon wieder vorbei. Edi fuhr mit seinem Papa wieder zurück nach Berlin.
Ich glaube er schlief im Zug ein.

Dies waren die ersten Wandergäste…bin mal gespannt, wer sich so alles aufraffen kann.

Die ehemalige innerdeutsche Grenze

Es ist bedrückend. Da wurde ein Wald, ein See oder ein Dorf einfach auseinandergeschnitten.
Ein Grenzzaun errichtet.
Wenn du auf die andere Seite willst…wirst du erschossen. In den knapp vierzig Jahren der DDR Grenze passierte dies ca. 800 mal.

Heute spaziere ich einfach rüber….ohne Stacheldraht, Minen und Risiko.
Gut, dass diese Grenze Vergangenheit ist.
Leider sterben die Idioten nicht aus, die wieder Grenzzäune irgendwo in der Welt errichten wollen.

Ein Bratwurst-Paradies

Die Region Südharz/Thüringen ist eine vegane Hölle!
Den Bratwürste sind immer präsent. Bratwurststände an jeder Strassenecke, in den Fussgängerzonen, vor jedem Discounter,am Waldparkplatz. Es gibt mehr Fleischer als Bäcker. Der „Fleischer“ hat am Sonntag geöffnet. Die Bäckerei ist geschlossen.
Vor so einer Fleischerei (gefühlte 20 m Wursttheke) stand ein „Bratwurst-Automat“! Ein Münzautomat bei dem der hungrige Bratwurstsüchtige aus dem gekühlten Automaten fünf eingeschweisste rohe Bratwürste rauslassen konnte. Geld rein…Würste raus! Bratwurst  24/7/365 verfügbar!

600 km sind hinter mir

 

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Den 6oo.km durchlief ich irgendwo auf dem Kyffhäuser. Es war ein sehr schönes Waldstück.
Wie bereits beim 400 km Beitrag erzählt, schlich ich mich zwischen den Industriegebieten Braunschweig und Wolfsburg durch und landete in Bad Harzburg, nördliches Tor zum Harz. Viele Harzrouten laufen von West nach Ost. Meine Route läuft allerdings von Nord nach Süd. Also, von Bad Harzburg über den Brocken nach Torfhaus /Wieda /Bad Sachsa. Von dort mit einer herrlichen Waldwanderung nach Nordhausen. Anschliessend vorbei am Stausee nach Kelbra und jetzt über den Kyffhäuser nach Bad Frankenhausen. Ruhetag! Wäsche waschen, Schlafen, weitere Route planen. Etwas Sightseeing.
Als nächstes werde ich nun Thüringen durchqueren und halte mich etwas westlich um bei Eisenach auf den  berühmten Rennsteig aufzusetzen. Auf diesem Premium Wanderweg geht es dann 150 km in den Thüringer Wald,an die Grenze zu Bayern.

Kyffhäuser

Nein, nein, nein der Kyffhäuser hat nichts mit Kiffen zu tun!

Der Kyffhäuser ist ein kleines Mittelgebirge südlich des Harzes. Es ist sogar das kleinste Mittelgebirge der BRD.
Sehr viele und grosse Höhlen sorgen dort für Legenden und Geschichten. In der Barbarossahöhle schläft seit knapp 1.000 Jahren Friederich I. (Kaiser Barbarossa). Der ist ja nicht gestorben, angeblich pennt der nur dort!
Das Höhlensystem der Barbarossa-Höhle ist riesig. Einzelne Kammern sind 60m lang und 30m hoch. Besichtigung hat mir sehr gut gefallen.
Ein furchtbares, schwülstiges Denkmal gibt es am Kyffhäuser von Kaiser Wilhelm I.(Hohenzollern). Was der Preusse am Kyffhäuser gemacht hat, konnte mir niemand erklären.
Vermutlich hat der alte Säbelrassler doch gekifft.

Problemlöser in Thüringen

Wäre die Welt ein Gebäude, der Thüringer wäre sicher der Hausmeister!
Leichter Befehlston, aber immer eine Kombizange in der Hosentasche und eine Lösung parat!
Mein aktuelles Problem: Wäsche waschen.
In grösseren Städten nutze ich Wasch-Salons und dachte Bad Frankenhausen sei eine grössere Stadt. Aber im Umkreis von 50 km gab es keinen Waschsalon.
Google fand dann eine Reinigungsfirma. Ich ruf dort an und hatte sofort den Inhaber am Telefon. Seine Antwort: rufen sie in 5 Minuten noch mal an (der Thüringer suchte nach einer Lösung). Fünf Minuten später kam folgende praktische Lösung: Seine Mutter betreibt eine Waldgaststätte in Bad Frankenhausen und würde dort meine Wäsche waschen!
Also stiefelte ich mit meinem Wäschesack zwei km an die Waldgaststätte „Sennhütte“. Die Waschmaschine war dort schon startklar und ich setzte mich in langen Unterhosen und T-Shirt an einen Tisch in der Gaststätte.
Eine Mahlzeit, zwei Bier und einen Nachtisch später waren Wäsche und Hosen blitzsauber und trocken.
Mittlerweile traf auch der „Sohn und Inhaber der Reinigungsfirma“ ein. Wir kümmerten uns zusammen noch um die notwendige „Klarspülung“ ! Zwei doppelte Klar-Spüler und alles war gut!
Das Problem wurde „Thüringisch“ gelöst.

Thüringer Becken

 

Von Bad Frankenhausen (Südseite Kyffhäuser) ging es im Sauseschritt durch das Thüringer Becken bis zum Nationalpark Hainich / Bad Langensalza. Das Thüringer Becken ist eine der fruchtbarste (richtig lesen! fruchtbar nicht furchtbar) Landschaft Deutschlands. Es gibt Felder die sind 3 km breit und 6 km lang. (Selbst mit GPS Navi gemessen). Ein einziges Feld!!! Das sind 18 km² oder 1800 ha für ein Feld!!! Die Traktoren allerdings sind wesentlich kleiner als bei unseren Bauern.
Also ist die Logik: grosses Feld – kleiner Traktor….kleines Feld – grosser Traktor….???
Im Thüringer Becken wird hauptsächlich Getreide angebaut. Häufig aber auch Raps…Mais sieht man nicht.

Wartburg / Drachenschlucht

 

Eisenach, die Eingangstüre zum Rennsteig ist Wartburgstadt. Die Wartburg ist untrennbar mit Martin Luther verbunden. Dort warf er sein Tintenfass gegen die Wand…heute wäre es der Computer. Dort übersetzte er die Bibel…heute können sie nicht einmal mehr eine Anleitung übersetzen. Dort lebte Luther anonym als Junker Jörg…heute würde der Nachrichtendienst sein Handy orten.
Als Wanderer geht es von der Wartburg zunächst einmal runter zur Drachenschlucht und dann durch diese Schlucht wieder hoch zur zum Rennsteig. Die Schlucht ist an der engsten Stelle nur 68cm breit…schlecht für Bodybuilder!
Ein sehr interessanter Weg…es lebt dort die bedrohte: grosse Wasserspitzmaus. Ich hatte  meine Brille nicht auf der Nase und dann sehe nichts, was kleiner ist als ein Zebra. Die grosse Wasserspitzmaus muss also kleiner sein. Zumindest schmaler als 68 cm…sonst käme sie nicht durch die Drachenschlucht. Ich habe keine große Wasserspitzmaus gesehen.

 

Rennsteig

 

Ich bin in Eisenach.Hier steht die Wartburg. Hier beginnt der Rennsteig.
Der Rennsteig ist der älteste und meistbegangene Weitwanderweg. Er verläuft als Kammweg auf 170 km Länge und ist mit insgesamt 2.513 Höhenmeter absolut kein Flachland. Es beginnt in Eisenach Hörschel und endet in Bayern.
Der Rennsteig ist seit dem 14.Jhd. als schnelle Verbindung (Rennsteig) von Nord nach Süd nachgewiesen.
Geradeaus ist Selten… es geht ständig auf und ab. Das Höhenprofil sieht aus wie die Aufzeichnungen eines Seismographen bei einem Erdbeben.
Der höchste Berg ist knapp unter 1.000m. Im Winter gibt es kräftig Schnee. Oberhof, Suhl sind bekannte Wintersportorte.
Der Rennsteig ist gleichzeitig Sprachgrenze, Wasserscheide und Übergang von Thüringer Bratwurst zu Leberkäs.
Ich hüpfe allerdings nach ca. 110 km vom Rennsteig ab, ansonsten komme ich zu weit nach Osten.

Nimm einen Stein mit…

 

Der 170 km lange Rennsteig beginnt in Hörschel/Eisenach. Dort fliesst die Werra. Es ist Tradition (vermutlich aber nur Marketing), dass jeder Wanderer einen Stein von der Werra (Fluss) aufnimmt und am Ende des Rennsteiges in die Saale (auch Fluss) wirft.

Die Werra mündet in die Fulda, die Fulda mündet in die Weser, die Weser mündet in die Nordsee.
Die Saale mündet in die Elbe, die Elbe mündet in die Nordsee.

Ich frage mich: was soll der Scheiss! Der Stein landet immer in der Nordsee. Klar passe ich mich an und schleppe auch einen kleinen Hinkelkstein über die 178 km.

 

Auf dem Rennsteig

 

Hänsel und Gretel hätten es schwer, denn auf dem Rennsteig kann sich niemand verlaufen.
Das grosse R ist unübersehbar. Ältester und meistbegangener Fernwanderweg. Perfekt markiert, alle 2 km eine Schutzhütte, und wunderschöne Aussichtspunkte. Der höchste Punkt 916 m ü.M. Ein wirkliches  Highlight für Wanderer!
Gut begangen, aber zu meiner Zeit nicht überlaufen. Komfortable Unterkünfte mit preiswerte Übernachtungen alle 10 km. Mitten im Wald: ein Stand mit Thüringer Bratwurst…es wurde wirklich an alles gedacht.