Wandergast Dagmar

 

Dagmar ist die Mama von Anne (also die Oma von Edi, genaugenommen die Schwiegermutter von Oli) und besuchte mich an Himmelfahrt als Wandergast.
Wir beschlossen eine Rundwanderung und keine Etappe zu laufen. Hauptgrund für diese Entscheidung war der Vatertag. An diesem Tag ist der Rennsteig bevölkert wie der Markusplatz in Venedig. Vormittags sind alle am Füllen, Nachmittags ist alles Voll…überwiegend mit Bier. Tausende!
Deshalb verlief unsere Wanderung etwas abseits vom Rennsteig. Es war sehr schön. Wir erzählten uns gegenseitig alle Jugendsünden von Anne und Oli und benötigten dafür fast acht Stunden bzw. 27 km!

 

800 Kilometer

 

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Den 600sten Kilometer feierte ich auf dem Kyffhäuser, den 800sten Kilometer auf dem Rennsteig!
Vom Kyffhäuser (Bad Frankenhausen) durchlief ich zunächst das Thüringer Becken. Etappenorte waren Greussen, Bad Langensalza, Craula, Eisenach. Mitten durch den Nationalpark Hainich. Sehr sehenswert!
Ab Eisenach bog ich auf den Fernwanderweg: Rennsteig und gab Gas. Etappenorte:  Hubertushaus, Grenzwiese, Oberhof, Neustadt, Friederichshöhe. In vier Tagen zählte mein GPS: 115 km.
Die nächste Kilometerfeier ist die 1.000 km…es wird irgendwo in Nordbayern sein. Ich bestelle schon mal die Blaskapelle!

Von der Mitte in den Süden

 

Im Süden des Rennsteiges (Friederichshöhe) verlasse ich den Rennsteig somit auch Thüringen und wandere nach Coburg/Bayern.
Eine idyllische  Dorfsituation bildete mein Schlusspunkt des Rennsteiges.

  • 32 Einwohner
  • 18 bewohnte Häuser
  • 1 Gastrobetrieb (Pension u. Restaurant)
  • drei Hinweisschilder zum Rennsteig
  • Hühner auf der Strasse

Höhenlage 800m.NN, kleinstes Dorf der ehemaligen DDR. Wunderbare Talsicht, herrliche Ruhe, keine Handyempfang aber Strom und fliessendes Wasser. Eine Dorfsituation wie im 19.Jahrhundert, der Dialekt ist katastrophal und unverständlich. Aber ich mag ja Dialekte (mögen bedeutet nicht, dass ich es auch verstehe). Ausserdem geht es jetzt nach Oberfranken und da wird die Verständigung vermutlich besser. Eventuell! Mal hören.
Auf dem Weg nach Coburg laufe ich an einer Discounterf Filiale vorbei. Da steht: Aldi Süd…ich glaube ich bin im Süden.

Veste Cobursch

In Coburg gibt es eine Burg, muss ja…wenn man so heisst! Veste Cobursch sagen die Franken. Ich war dort, besuchte jeden Raum, las jede Beschriftung und merkte mir Alles.
Nicht übel so ein Schloss. Dort wohnte das Adelsgeschlecht: Sachsen-Coburg und Gotha. Meistens heirateten sie ihre Cousins/Cousinen. Heute sind alle etwas einfach strukturiert.

 

Musste sofort an den Film „Pretty Woman“ denken!
Alles Voll! Wo lege ich denn da mein i-Phone hin?
Und mit welcher Gabel isst man Pommes?

Üblicherweise steht in Bayern das Besteck in einem Bierkrug in der Mitte des Tisches. Finde ich wesentlich praktischer.

 

 

 

 

 

Den kenn ich! Privat fährt er eine Harley Davidson und trägt eine auffällige Lederjacke mit dem Schriftzug „Member of Bandidos“.

Er trinkt nur Bier aus der Dose, rülpst aber nach einem Sechserpack durch die ganze Kneipe.

Ist ansonsten ganz friedlich.

 

 

 

Die Beschriftung ist falsch. Sie lautet:

Carl Eduard von Sachsen-Coburg und Gotha.
*1884  + 1954

Richtig wäre:
Freddy Mercury  * 1946  + 1991

 

 

 

So eine Rüstung wäre praktisch für Kinder!
Hält länger als die heutigen Protektoren. Da passiert nichts beim Snowboarden oder beim Skaten. Waschen wäre auch einfach. Es braucht nur ab und zu etwas WD 40.

Ich hätte gerne bei den Coburgern gleich vier solche Rüstungen für meine Enkel bestellt, wusste aber leider deren momentane Rüstungsgrösse nicht.

 

 

 

Sehr prollig dieser Klimbimm! Kann man heute beim Türken kaufen. Oder bei Kitsch und Krempel verkaufen. Gefällt mir nicht.
Als Zielobjekt, um aus zwanzig Meter mit Bierdosen zu treffen, gäbe auch noch eine sinnvolle Verwendung.

Stammt aber aus Venedig und ist sehr, sehr alt, vermutlich teuer; sonst wäre es nicht hinter Glas.

 

Vierzehnheiligen

 

 

Früher, als es noch keine Handys gab, nutzte der Katholik sogenannte Heilige.
Vor allem bei Notfällen! Dieses Notfall-Heiligen-Paket (vierzehn Heilige) war sehr praktisch. Da gab es Einen Heiligen der half, wenn man etwas verloren hat. Ein anderer heiliger Spezialist, unterstützte dich bei der Partnersuche.  Es gab aber auch Fach-Heilige für Bauchweh oder Halsschmerzen.
Auf meiner Wanderung besichtigte ich eine Klosterkirche kurz vor Bamberg. Vierzehnheiligen!
Eine phantastische Kirche (Rokoko). Baltasar Neumann war der Architekt. Der baute sowieso nur geile Dinger! Diese Kirche wurde den vierzehn Notheiligen gewidmet.
Damit sind wir wieder beim Thema: Notfallpaket!
Leider können heute die meisten Menschen mit Heiligen nichts mehr anfangen. Aber Handys bedienen, dass können sie! Dabei ist Hilfe in Zusammenarbeit mit Heiligen, viel einfacher.

Beispiel 1:  Du hast deinen Haustürschlüssel verloren!
Kurzes Stossgebet zum Heiligen Antonius und zack ist der Schlüssel wieder da. Meistens.
Heute soll die grösste Suchmaschine der Welt beim Suchen helfen. Google! Aber gib mal ein: mein Haustürschlüssel. Da tauchen 114.000 Ergebnisse auf. Kack!

Beispiel 2: Du suchst einen Lebenspartner.
Dafür ist der hl.Eustachius zuständig. In schlimmen Fällen führte der/die Suchende noch zusätzlich eine Wallfahrt durch.
Heute verwendest du eine App: Parship.de…erstens benötigst du ein teures Smartphone, zweitens die App mit Zugangscode, drittens must du alles bezahlen, ich glaube, dass ist ganz schön teuer!
Das war mit Eustachius einfacher und billiger. Kinderwünsche übrigens wurden mit der hl.Notburga erfüllt. Gratis!

Beispiel 3: Du hast Bauchschmerzen!
Nothelfer war der hl.Erasimus!
Heute benötigst du : Kijimea Reizdarm Kapseln 84Stk 57 EUR. Die kannst du übers Handy im Netz bestellen. Lieferung frei Haus. Bezahlung über PayPal.
An den Erfolg musst du bei beiden Lösungen glauben! Erasimus war wesentlich günstiger.

Ich könnte noch viele Beispiele bringen. Der mit den Halsschmerzen war St.Blasius.

Übrigens…gibt es noch einen Hammereffekt bei der Rokoko Kirche. Der Neumann hatte diesen Effekt total drauf.
Von aussen ist die Kirche Sandsteingrau eher unscheinbar, dann öffnest du die grosse Kirchentür… Boah! Blend,blend… Color-Lightshow durch die Fenster, alles Marmor,Gold und Glamour, Super Illumination, gigantische Räume!

…versetz dich mal in den Menschen vor 300 Jahren, der aus seiner dunklen Wohnhöhle kroch. Der war total von der Rolle!

 

 

das grosse Pfingst-Rate-Mitmach-Quiz

Liebe Leser,

zur Abwechslung mal ein kleines Quiz von meiner Reise?

Durch anklicken vergrössert ihr die Bilder.

 

 

Frage 1: Wie heisst der Gipfel ?

 

 


 

 

Frage 2: In welche Richtung zeigt dieser Wegweiser?

Nach links, nach rechts oder geradeaus ?

 


 

Frage 3: In welchem Bundesland stehe ich?

Bild anklicken.

 

 


Mitmachen und gewinnen! Selbstverständlich winken drei tolle Preise. 😉

Ihr könnt mir die drei Lösungsantworten per Mail senden. 

Mailadresse :  mail@dreckschuhe.eu

Als Kommentar wären die Antworten für alle sichtbar.

Also mitmachen und gewinnen!!!

Eintausend Kilometer und Quizauflösung

 

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Keine Blaskapelle, kein Triumphbogen, keine Lichterscheinung am Himmel! Ich weiss nicht einmal wo die Tausend-Kilometer-Marke genau lag. Vermutlich auf einem langweiligen Teerstück zwischen Bamberg und Nürnberg.

Der 800ste Kilometer lag noch auf dem Rennsteig. Von dort ging es talwärts nach Coburg. Anschliessend über Bamberg nach Nürnberg. Die genaue Route kannst du auf der Karte sehen. Zwischen Forchheim und Gräfenberg war dann der „Tausender“.

Es macht immer noch Spass! Keine Blasen, keine Verletzungen, keine Zipperlein…der Rucksack und mein Rücken sind mittlerweile dicke Freunde! Da ich hauptsächlich auf Wald- und Feldwegen unterwegs bin, sehe ich täglich viele Tiere. Vor allem Wildhasen! Aber auch Rehe, Füchse, Wildschweine und sehr viele Vögel.

In der Woche laufe ich circa 120 bis 150 Kilometer, das ist etwas mehr als geplant. Aber alles sehr entspannt, denn ich habe ja Zeit. Am Morgen beim loslaufen weiss ich zwar noch nicht wo ich Abends schlafe, aber es geht immer. Unterkünfte zu suchen ist ein spannender Teil meiner Reise und ich habe noch nie…nicht geschlafen. Es läuft wirklich gut!

 

Die Lösungen des Pfingstquiz:

Frage 1 : Wie heisst der Gipfel?  Antwort:  der Brocken
Frage 2 : In welche Richtung zeigt dieser Wegweiser?   Antwort: geradeaus
Frage 3 : In welchem Bundesland stehe ich? Antwort: Bayern (fränkische Fahne)

Die Gewinner erhalten Ihren Preis per Post! Danke fürs Mitmachen.

Eine Nacht in Nürnberg

 

 

 

 

Von Norden her nach Nürnberg einzulaufen ist super. Du gehst durch den grossen Reichswald ca. 10km, ein paar Parkwege und plötzlich steht du vor der Nürnberger Burg. Mitten in der Stadt!

Ein Teil dieser mächtigen Burg ist Jugendherberge. Schon öfters übernachtete ich in Jugendherbergen. Also fragte ich nach einem freien Einzelzimmer.
Die Rückfrage kam prompt: wo kommen sie denn her? Klar, erzählte ich meine Wandergeschichte und erstaunte damit den freundlichen Mann an der Rezeption. Er entschied sich spontan, mir einen Gefallen zu machen und gab mir das Turmzimmer im Eckturm! DAS TURMZIMMER IN NÜRNBERG…! Diese Türme sind Wahrzeichen der Stadt!

Die Burg Nürnberg war Kaiserpfalz und über Jahrhunderte von Kaisern, Königen und deren Mädels bewohnt. Garantiert stiegen die auch mal aus Langweile in das Turmzimmer, um über die Stadt zu schauen. Und genau dort lege ich nun mein müdes Haupt nieder und hänge meine Wandersocken ins Fenster…zum auslüften.
Ich roch, nahm aber die Sockendüfte in der Stadt unten nicht wahr. Lebkuchendüfte und Rostbratwurstdüfte überlagerten meine Note.

Ein Stück auf dem Jakobsweg

Bayern ist ein gläubiges Land. Sie glauben an die Heilkraft des Bieres, an die immerwährende Meisterschaft des 1FC`s und ein bisschen auch an den Herrgott. Im Bamberger Dom treffen jedes Jahr einhundertsechzig Gruppen mit Wallfahrern ein, in Coburg schenkt eine Gaststätte, gegen Vorlage des Pilgerausweises, kostenloses Pilgerbier aus und auf dem Weg von Nürnberg nach Ulm sollst du nicht laut fluchen, falls der Weg wieder einmal nicht richtig markiert ist.
Alle sind freundlich, besorgt, fragen woher, wohin und helfen dir…bei der Weg- und Unterkunftsuche. Glatzköpfige, vollkörpertätowierte 150kg schwere bayrische Brocken sagen artig: Grüss Gott und in jeder Kneipe gibt es einen Herrgottswinkel. Bayern halt!
Ich nutze den Jakobsweg, da er der einzige durchgehend markierte Wanderweg von Nürnberg nach Ulm ist. Die Strecke wird seit Jahrhunderten begangen und Gasthöfe mit Unterkunftsmöglichkeiten gibt es fast in jedem Ort. Jedes Kaff mit eigenem Feuerwehrauto besitzt auch eine eigene Brauerei. Gräfenberg hat tausend Einwohner und vier Brauereien!!

Nein, verdursten muss man nicht auf diesem Weg.Die ganze Strecke durch Bayern ergeben mehr als 400 km. Verdammt weit! Oh…ich bin ja auf dem Jakobsweg. Recht weit!

 

Nördlingen

 

Das hat sicher gewackelt, als dieser Asteroid vor 14 Mio.Jahren hier in Nördlingen einschlug. Wobei es vor 14 Mio.Jahren die Stadt Nördlingen noch gar nicht gab. Es gab noch nicht mal Menschen. Die Dinosaurier waren auch bereits ausgestorben. Und es gab  noch kein Internet, Kinder! Nur Säbelzahntiger.
Der Asteroid-Stein-Brocken war einen Kilometer gross, schlug ein Krater von 25 km Durchmesser sowie ein Loch mit einer Tiefe von 4.500m. Das ist so, als ob man das Matterhorn(4.445m.NN) umgekehrt in den Boden haut. Der Steinbollen aus dem All zerbröselte und füllte das Loch wieder auf. Den Krater kann man heute noch sehen.

Heute ist Nördlingen ein sehr hübsches Städtchen mit einer komplett erhaltenen begehbaren Stadtmauer, Fachwerkhäuser und mittelalterlicher Athmosphäre.
Das Nördlinger Ries (so wird der Krater genannt) ist für Geologen weltweit hochinteressant.
Zuerst dachte ich beim Wandern: heute sind aber viele Schreiner unterwegs, bis ich merkte, dass die Leute mit dem Hammer keine Schreiner, sondern Geologen sind.

1.200 Km

Ja wo bin ich denn…nach 1.200 km?      Jawohl, im Spätzle-Country: Württemberg!

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Die 1.000 Kilometermarke lag noch in Nordfranken kurz vor Nürnberg. Es ging dann runter über Nürnberg, Schwabach, Abenberg, Wernfels, Gunzenhausen, Heidenheim, Oettingen, Nördlingen danach die Landesgrenze von Bayern zu Württemberg, erste Station Neresheim. Und nun sind es Eintausendzweihundert! Zack!

Seit Nürnberg bin ich auf dem Jakobusweg eingespurt und bewege mich nach Südwest, Richtung Ulm. Der Jakobusweg führt selbstverständlich an jeder Dorfkirche und an jedem Wegkreuz vorbei. Die Gegend tropft vor Geschichte. Kein Ort ohne Dreissigjährigen Krieg, ohne Stadtbelagerung, ohne irgendeinen  Dorfhelden, der die Welt oder zumindest das Dorf vor der vollständigen Zerstörung rettete.
Alles unterfränkische Zorros, Robin Hoods oder Wilhelm Tells! Das Heldentum liegt den Bayern einfach im Blut. Sie können nichts dafür.

 

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Von Höhlenbären und andere Schwaben

 

Die schwäbische Ost-Alp ist sehr hügelig. Auf jedem Buckel steht eine Burg oder eine Ruine oder, längst abgebaut, ein Galgen. Irgend etwas Wichtiges halt!

Und es gibt Höhlen. Die ganze schwäbische Alp ist durchlöchert…ein Vergleich mit Schweizer Käse bietet sich an. Die Charlottenhöhle bei Gingen a.d.Brenz lag an meinem Weg…und dort bin ich mit Führung rein. Die Höhle ist 587 m lang und wird nach hinten ganz schön schmal und eng. Eigene Fotos zu machen war unmöglich. Diese Tropfsteinhöhle wurde von Höhlenbären bewohnt. Heute steht die Höhle leer. Die Spezies starb vor 15.000 Jahren aus, weil die Bären in der Nahrungsauswahl sehr unflexibel waren (was der Bauer nicht kennt, dass frisst er nicht). Als Vegetarier frass der Höhlenbär nur ganz bestimmte Pflanzenarten. Nach der Eiszeit änderte sich die Vegetation, der Feinschmeckerbär fand seine Kräutlein nicht mehr…also starb der Höhlenbär aus. Pech gehabt!

Auf der rauen schwäbischen Alp lebt ein besonderer Menschenschlag. Hartgesottene Schwaben, stur, flexibel wie Höhlenbären. Breiter Dialekt! Die Sätze sind nicht übersetzbar. Jedes Wort hat mindestens fünf O.
Die schwäbische Genügsamkeit (Geiz) ist deutlich zu spüren…eine Kirchturmbesteigung kostet Geld und wer beim Frühstück  nicht nur zwei Scheiben Käse sondern auch noch Butter auf das Brot schmiert… wird bereits vorwurfsvoll angeschaut. Entlang den Wanderwegen werden keine Sitzbänke aufgestellt:  bei ons wird  g`schafft und ned g`hocked! Der karge Boden, hat die Menschen geprägt.
Aber es gibt feine Spätzle, wunderbare Brezel und frischen selbstgemachten Obstkuchen. Höhlenbärenschinken sah ich auf keiner Speisekarte…das Verfallsdatum ist vermutlich seit einigen Jahren abgelaufen.

Ein Graffiti

 

 

 

 

 

 

 

Ein Graffiti. Entdeckt an der Ulmer Stadtmauer!

Es wird wärmer! Fuck the Pullies!

Dem Text ist nichts zuzufügen.
Es wird diese Woche merklich wärmer. Meine persönliche Lösung  5:00 Uhr aufstehen, keine Frühstück, loslaufen, Etappenziel bis 13:00 erreichen, viel Wasser trinken, Siesta, Eis essen, Nachmittag ins Schwimmbad oder alles zusammen.

Der Gang geht zu Ende

 

Noch am Montag spuckte ich in Ulm in die Donau. Am Dienstag stand auf einer Speisekarte Wurstsalat, Schweizer Art. Einen Tag später, entfernt am Horizont, die Alpenkette. Alles klare Indizien. Es geht nach Hause!
Am Mittwoch 3.Juli erreiche ich das westliche Bodenseeufer und drei Tage später, am Samstag, 6.Juli werde ich in Jestetten eintreffen.

Mein Gang geht zu Ende.
Geplant waren 90 Tage nun sind es bis am 6.Juli genau 81 Tage. Neun Tage schneller als erwartet. Doping kann ich ausschliessen, vermutlich starker Rückenwind.
Derzeit wandere ich aber vom barocken Oberschwaben an den Bodensee und es wird in den nächsten Tagen noch ein paar Berichte geben.

 

Schnörkellos

 

 

Von wegen Schnörkellos! Hier in Oberschwaben (Barockstrasse) hat alles Schnörkel. Das Rathaus, das Spritzenhaus, das Bushäusle, auch Tierställe sind „barockisiert“ . Ochsenhausen, Bad Schussenried, Bad Saulgau…alles Städte mit barocken Klosteranlagen und repräsentativen Stadthäusern. Die damaligen Handwerker erstellten solche Gebäude und Klosteranlagen teilweise innerhalb von 10 Jahren. Heute unvorstellbar!

In Bad Schussenried steht eine grosse Klosteranlage. Dort lebte von 1575 bis 1625 der Mönch Caspar Mohr, er beschäftigte sich intensiv mit dem Fliegen,baute Flugapparate aus Gänsefedern und bastelte halt so rum. Pater Mohr, galt als Genie und als sehr klug. Der amtierende Abt war jedoch noch gescheiter (muss er ja, als Chef) den der Abt verweigerte dem klugen Spinnerpater den Sprung aus dem dritten Stock, um ein Fluggerät zu testen.

Der aufwändig ausgestattete Bibliothekssaal im Schussenrieder Kloster ist im Stil des Rokoko gestaltet. Rokoko, das ist noch wilder und glamouröser als Barock. Bild oben.
Motto des grossen Freskos: Wissen und Weisheit. In diesem Deckenfresko wurde neben Göttern, Heiligen und alten Griechen auch unser Pater Mohr mit seinem Gänsefederflugapparat abgebildet. Die Jungs aus dem Kloster hatten durchaus Sinn für Humor und schräge Typen.

Als einziger Besucher im Bibliothekssaal konnte ich mir Zeit lassen. Ich setzte mich hin,  schaute das Deckengemälde mit diesem Pater Mohr und seinen Gänsefederflügeln an..und hatte so meine Gedanken:

Innert zehn Jahren fertiggestellt? Dabei fällt mir sofort der Berliner Flughafen ein. Dieser wäre mit Handwerkern aus dem 18.Jahrhundert schon längst betriebsbereit. Überhaupt ? Ein barock gestalteter Flughafen mit Stuck und Fresken würde garantiert den heutigen Rechte-Winkel-Glas-Beton-Stahl-Gebäude-Klötzen die Show stehlen. Japanische Fluggäste wären total wild auf diesen Airport.
Der Vatikan als Namenssponsor tauft den Flughafen auf den Namen: Himmel-fahrt!
Schliesslich gibt es auch die Allianz- Arena und die Nivea- Halle.
Freskenmaler bräuchten keine neuen Motive. Die Bildmotive mit fliegenden Engeln und Himmel könnten bestens in das Flughafenthema integriert werden.
Dauerbeschallung in der Ankunftshalle mit: “ Vom Himmel hoch da komm ich her…“
Die Dauerschleife in der Abflugshalle wäre : „Hoch sollst du leben…“
Pater Mohr hätte seine Freude an so einer Spinnerei.

Die nächste Führung kommt in den Bibliothekssaal. Sprachlich erkenne ich sofort: Berliner!
Soll ich es dieser Gruppe schon mal verraten?

 

 

 

Raufaserlandschaft

 

Nördlich des Bodensees liegen die Gebiete Linzgau und Oberschwaben. Zugegeben es gibt bekanntere Gegenden, aber ich muss da  jetzt halt durch! Und zwar durch die Landkreise Biberach, Ravensburg und Sigmaringen.
Die Topografie dieser Landschaft zwischen der schwäbischen Alp und dem Bodensee ist wie eine stark vergrösserte Raufasertapete. Ein Hubel am anderen. Flach ist es nie. Eigentlich eine nette Landschaft, aber zum Wandern bei 30 Grad, mühsam. Von Ochsenhausen bis zum Bodensee mache ich 1.800 Höhenmeter!
Die Dörfer und Städtchen sind Hammer. Ich sah tatsächlich einen Landwirt, ohne Maschine! Er mähte die Wiese mit einer Sense! Klar blieb ich stehen und wir schwätzten über die Wärme und das Wetter, zum Schluss fragte ich: warum er das mit der Hand mähe? Seine Antwort: ich will das nicht verlernen, ausserdem hat es in dieser Wiese besondere Blumen. Die lasse ich stehen!
Leider hatte ich kein Bundesverdienstkreuz im Rucksack…ich hätte es ihm gegeben.

Der Dorftyp ändert sich von Nord nach Süd. Im Norden (Oberschwaben) barocke Gebäude. Zwiebeltürme! Im Süden (Linzgau) werden die Dörfer schlichter und die Kirchtürme spitziger. Bei Fön gibt es die totale Alpensicht. Im Vordergrund der Bodensee, im Hintergrund die Alpen in voller Breite. Von den Allgäuer-über die Österreicher bis zu den Schweizer Alpen. Wenn man Alpensicht hat. Ich hatte keine!