Ritter, Blues und Meindl

Der Himmel über Lüneburg strahlte bereits frühmorgens in nordischem Grau. Vom B&B bis zur Wanderstrecke zeigte das GPS  acht Kilometer (1 ½ Stunden) durch die Stadt. Also erst mal über Kopfsteinpflaster stolpern und dann Stadtauswärts entlang der vierspurigen Bundesstrasse.

Es lärmte und stank. Ein Motorradfahrer raste so nahe an mir vorbei…ich hätte am liebsten meinen Stock zwischen seine Speichen gerammt. Aber ich war zu langsam.
Als Nächstes hauchte mir eine LKW eine Dieselwolke ins Gesicht. Super!
Dann ein militanter Radfahrer. Er riss fast meinen Rucksack mit. Als Speerwerfer könnte ich in von hinten mit dem Wanderstock vom Rad holen. Aber ich bin kein Speerwerfer.
Wie ein Schaaf mitten in einer Bisonherde fühlte ich mich. Zumindest so ähnlich.
Dann fängt es auch noch an an zu regnen. Rucksack ab, Regenhose an. Nach 1 ½ Stunden endlich am Elbe Seitenkanal angekommen, dem Start der heutigen Wegstrecke, war meine Laune auf dem Tiefpunkt. Nicht mein bester Tag heute…jetzt frischte auch noch der Wind auf, was hier Wind ist, läuft im Süden unter Sturm. Fruscht pur! Was tun?

Mein persönliches Frustabbau-Rezept heisst: RITTER, BLUES und MEINDL.
Im Klartext heisst dies: Schokolade futtern, Musik in voller Dröhnung und Sturmschritt. In diesem Fall, nutzte ich das volle Paket!
Also eine Reihe Schokolade (vier Rippen) zwischen die Zähne, Ohrstöpsel rein (Player auf Level 17) und loslaufen. Stressabbau mit Musik geht am besten mit BAP oder BluesBrothers. Heute war es BAP.
Fünf Musikstücke später (20 Minuten) waren meine Mordgedanken weg. Durch das Gehen reduzierte sich meine Frustration weiter auf ein Minimum. Das funktioniert übrigens immer. Nach dem zehnten Musiktitel (Kristalnaach) pfiff ich schon mit und aus dem Wanderstock, der vorher noch meine Waffe war, wurde eine Luftgitarre. Alles OK. Es regnete in Strömen aber das nordische Grau war anders…freundlicher.
Ritter, Blues und Meindl wirken magisch! Siebenundzwanzig Kilometer später dachte ich nicht mehr an Lüneburg. Warum auch.

Ein Kommentar

  • Manuela Signer

    Hallo Berthold
    dass sich dein fast schlechter Tag so toll entwickelt und perfekt geendet hat, freut mich 🙂
    Es zeigt sich einmal mehr: wenn man offen bleibt, die Dinge nimmt, wie sie nun mal sind und das Beste draus macht,
    dann kommt´s meistens gut.
    Schlaf gut im Kloster und weiterhin eine spannende Reise.
    Manou

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